Virus Mutterliebe

Montag, 1. Dezember 2014

Ich hatte ihn schon oft bei anderen beobachtet. Und ich war immer wieder erstaunt, wie er Frauen verändern kann. Das Ganze war mir jedoch noch ein riesiges Rätsel. Als ich schwanger wurde, habe ich mich zu Beginn immer wieder gefragt, zu welchem Zeitpunkt dieser Virus auch mich erwischen würde. Denn Mutterliebe schien irgendwie ansteckend zu sein. Einmal eingefangen und man wurde sie so schnell wohl nicht wieder los- wenn überhaupt. 



Wie ging das denn nun mit der Ansteckung? Also als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt war es bei mir noch nicht so weit. Natürlich habe ich mich so sehr gefreut, wie selten zuvor. Ich hätte fast platzen können vor Glück. Aber war das bei mir schon Mutterliebe? Ich glaube nicht. Dafür war alles noch viel zu unreal. Ein Strich auf einem Plastikstab war noch kein Baby und außerdem sah ich noch genauso aus wie vorher und fühlte mich auch noch so. Aber dann musste der Virus mich eindeutig erwischt haben! Warum war mir sonst von morgens bis abends so übel? Nein, das war er auch nicht. Plötzlich fühlte ich mich zwar schwanger, einen kleinen Punkt auf dem Ultraschall hatte ich bei der Frauenärztin auch schon gesehen, aber real war das Ganze für mich irgendwie trotzdem noch nicht. Kamen diese Fotos wirklich aus meinem Bauch? Spielte mir die Ärztin nicht einen Streich und ich hatte einfach eine Grippe wegen der mir so schlecht war?

Zu meinem Geburtstag kamen mein Mann und ich gerade aus unserem Babymoon auf Teneriffa zurück. Mitten in der Nacht wurde ich wach. Meine Güte, war das ein starkes Blubbern in meinem Bauch! Aber "Zack", und ich war schon wieder eingeschlafen. Erst als ich morgens aufwachte, wurde mir bewusst, dass dieses Blubbern die Bewegungen unseres Babys gewesen waren! Man, war ich dämlich gewesen, dass ich das nicht sofort verstanden hatte :D Irgendwas hat sich an diesem Tag verändert. Ich spürte mein Baby immer öfter und häufiger. Zum Ende der Schwangerschaft hin sogar so stark, dass seine Bewegungen mich nachts wach halten konnten und auch von Anderen von außen sichtbar waren. MoJo schien von Anfang an ein gewisses Potential zum Fußballer gehabt zu haben ;) Und da fing der Virus an, seine Nebenwirkungen zu zeigen. Denn nun wurde es wirklich real!  Ich streichelte ständig meinen Bauch, redete mit meinem Baby, spielte ihm sogar Musik vor. Ich hatte jetzt schon das Gefühl, ihn ständig beschützen zu wollen, und machte mir außerdem viele Sorgen, ob es ihm wirklich gut geht. Ich bin mir sicher, da fing es an mit dem Virus. Nicht von null auf hundert, sondern so, dass ich mich daran gewöhnen konnte und der Virus mich nicht mit seiner ganzen Wucht aus den Latschen haute.

Doch bald schon bekam ich ihn in seiner ganzen Stärke zu spüren. Ich werde den Moment, in dem MoJo zur Welt kam nie vergessen. Schmerzen hin oder her. Als er da war, hatte ich auf einmal das Gefühl alles wäre ganz ruhig. So als wäre die Zeit nicht nur im Kreissaal, sondern auf der gesamten Welt stehen geblieben. Dann lag er zum ersten Mal auf meiner Brust. Ich sah ihn nur an und mein erster Gedanke war: ,,Ja, der gehört zu uns." Ich hatte schon lange gerätselt, wie ich wohl in dieser Situation reagieren würde. Würde mich der Virus zum Heulen bringen? Oder würde ich gar kein Wort rausbekommen? Oder noch schlimmer: Würde der Virus verschwunden sein und ich würde gar nichts spüren? Nichts von dem war bei mir der Fall. Ich war einfach ganz enstpannt. Ich spürte eine innere Kraft, die mir das Gefühl gab, dass mich gerade nichts aus der Ruhe bringen könnte. Es fühlte sich einfach alles so richtig an. MoJo, mein Mann und ich. Wir gehörten von nun an für immer zusammen, wurden ein Team. Und jetzt war es endgültig real: Ich war Mama!



Und von da an hab ich den Virus richtig lieben gelernt. Dank ihm habe ich eine Verbindung zu meinem Sohn, wie zu keinem Wesen zuvor. Bedingungslose Liebe ist nicht mehr nur ein Begriff, sondern ein reales Gefühl, dass mich selbst immer wieder aufs Neue verblüfft. Ich bin unendlich stolz auf mein Baby, auch wenn es nichts leistet. Wenn MoJo lacht, dann geht mein Herz auf. Er lacht, wie kein Erwachsener das je tun könnte. Aus ganzem Herzen, ehrlich und völlig ungetrübt. Es ist komisch: Wenn er so lacht, dann treibt es mir regelmäßig Tränen in die Augen. Er muss mich für bescheuert halten, wenn er das sieht, aber ich kann nicht anders. Ich heule vor Freude darüber, dass mein Kind so glücklich ist. Ich könnte ihn stundenlang einfach nur beobachten, besonders wenn er so schön friedlich schläft. Oder ihn auch ohne Ende einfach nur abknutschen. Für ihn würde ich alles geben, alles tun. Wirklich ALLES!

Und darum ist es wohl fast schon ungerechtfertigt von mir, Mutterliebe mit einem Virus zu vergleichen. Auch wenn es einige Parallelen gibt, macht meiner Meinung nach Mutterliebe die Welt schöner und das Leben glücklicher! Zum Glück gibt es da weder eine Impfung noch ein Gegenmittel. Mutterliebe ist ein GESCHENK, das ich sehr gerne behalten will! 

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