Die Macht unserer Worte - Von Biestern, Heldinnen und anderen Mütterwesen

Mittwoch, 18. März 2015

Bevor es bei mir selbst soweit war, war mein Bild von Schwangeren und frischgebackenen Müttern irgendwie romantisch verklärt. Sie hatten für mich immer so etwas unglaublich herzliches, warmes an sich, wenn sie ihren Bauch streichelten und dann bald endlich ihr Baby im Arm hielten. Obwohl sie dabei selbst noch ein wenig zerbrechlich wirkten, weil man ihnen die Strapazen der Schwangerschaft, Entbindung und der kurzen Nächte meist noch ansah. Trotzdem verströmten sie ohne sich darum zu bemühen ganz viel Liebe, wenn ich sie beobachtete. Sie waren Heldinnen in meinen Augen, wie sie alles für ihren Nachwuchs gaben. Und das änderte sich für mich auch nicht, je älter ihre Kinder wurden. Vielmehr schienen mir auch die Mütter an ihren sich verändernden Aufgaben zu wachsen. Sie hatten meine 100%-ige Bewunderung und manchmal auch mein 100%-iges Mitgefühl, weil sie es ja bekanntlich nicht immer leicht haben.



Dieses Bild von Müttern habe ich heute immer noch. Aber je mehr ich selbst ein Teil der ,,Müttercommunity" wurde, desto mehr lernte ich auch eine Seite an ihnen kennen, die mir bis dato ehrlich gesagt völlig unbekannt war. Ob online oder von Angesicht zu Angesicht, ich fragte mich, wie diese romantisch, engelsgleichen, heldenhaften, liebevollen Wesen nur manchmal so biestig sein können?! Ja ,,biestig", das meine ich genau so wie ich es schreibe. Das war mir alles neu. Mütter, die in Internetforen bereits Schwangere und andere Mütter teilweise so harsch kritisierten, dass es mir eiskalt den Rücken runterlief. Mütter, die beim sich beim gemeinsamen Spazierengehen oder in Spielgruppen mit ihren Kindern, nicht gegenseitig austauschten und aufbauten, sondern nur so mit Ratschlägen und Kritik um sich warfen, als ginge es gerade darum, die eigenen Worte als Waffe zu benutzen.

Aber die zarte Heldin und das kritiksüchtige Biest sind natürlich zwei gegensätzliche Extreme, die ich bewusst gewählt habe. Es ist ganz klar übertrieben, aber ich würde heute glatt behaupten, dass zumindest ein klitzekleines Bisschen von beidem in jeder (werdenden) Mutter steckt. Aber wie kommt es, dass wir uns so erstaunlich oft kritisieren? Themen wie Impfen, Stillen, Kinderbetreuung, Schlafgewohnheiten und Ernährung kann man ja teilweise nicht mehr leichtfertig ansprechen, ohne eine waschechte Diskusion im ,,Mommy Wars"-Stil anzuzetteln.

 Ich habe manchmal das Gefühl, dass das oftmals unbewusst passiert, da uns ALLE eine Sache ganz klar verbindet! Und zwar die Unsicherheit. Keine Schwangere oder Mutter kann behaupten, dass sie sich nie verunsichert gefühlt hat, angesichts all der neuen Herausforderungen und Umstellungen. Keine kann behaupten, dass sie sich immer vollkommen sicher ist, bei allem was sie tut. Wir wollen alle immer nur das Beste für unser Kind, aber manchmal wissen wir einfach in gewissen Situationen nicht (sofort), was das gerade ist. Kritisieren wir andere Menschen, fühlen wir uns zumindest in diesem Moment irgendwie stärker. Wir täuschen uns für einen kleinen Augenblick über unsere eigene Unsicherheit hinweg. Aber lohnt es sich, sich selbst auf Kosten anderer zu stärken?

Ich bin froh, dass es aber auch anders geht. Dass ich einerseits kennenlernen musste, wie negativ der Umgang untereinander oft ist, wird erträglicher, weil ich dankbar bin für all die Begegnungen und Gespräche mit Müttern, die so unheimlich aufbauend waren, wie wir es uns wahrscheinlich alle wünschen. Wie groß der Zusammenhalt dann doch oft ist. Wie die gleiche Mutter, die mich gestern noch mit ihrer Kritik verletzt hat, mir am nächsten Tag doch noch eine unheimliche Stütze sein kann. Weil die meisten wohl kaum ein Biest sein wollen, sondern manchmal gerade einfach kein anderes Ventil finden, für ihre eigene Unsicherheit. Weil wir Positives zwar sehen, aber für zu selbstverständlich halten, um es dem anderen mitzuteilen. Kritik flutscht einem da oft schon leichter von den Lippen. 

Haben wir manchmal vor lauter Kritisieren einfach verlernt zu loben? Und zwar nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene? Ich persönlich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich ein richtiger Geizkragen sein will. Und zwar im Bezug auf Kritik. Manchmal hat sie zwar ihren Platz, aber viel, viel seltener als wir sie dann tatsächlich gebrauchen. Gleichzeitig will ich richtig verschwenderisch sein. Verschwenderisch mit Lob, Anerkennung und Mitgefühl. Bei Kritik ist ein ZU viel, so viel schneller erreicht, als bei Lob... Nicht umsonst wird oft geraten, dass man eine Person 5 mal mehr loben soll, als sie zu kritisieren. Ungefähr ab so einem Lob-Kritik-Verhältnis ist eine dauerhafte und positive Beziehung überhaupt erst möglich. 

Wir können andere nicht ändern, aber wir können alle selbst bei uns anfangen. Wir können uns bewusst dazu entscheiden, so manche Kritik lieber für uns zu behalten oder geschickter zu formulieren. Und vor allem können wir uns bewusst dazu entscheiden, andere viel öfter zu loben :) Das nehme ich mir immer wieder auf´s Neue vor, auch wenn es nicht immer so einfach ist. 




Was für Erfahrungen habt ihr mit dem Umgang von Müttern untereinander gemacht? Fällt es euch eher leicht oder schwer, andere mehr zu loben als zu kritisieren? :)


7 Kommentare |

  1. Ein ganz, ganz toller Post! Ich glaube, es ist zumind. teilweise auch eine Typsache- wer kennt nicht den Typ Frau, der gerne lästert, immer alles besser weiß und sich gerne in den Vordergrund spielt? Und wenn dann noch Hormone hinzukommen bzw. es ums eigene Kind geht, kommt dann noch eine ganze Palette an Emotionen hinzu und zack- Mütterterror.
    Ich habe bislang Erfahrungen mit richtig netten gemacht, die natürlich auch teilweise etwas "zickig" sein können, da verunsichert -aber die mit ihren Erfahrungen auch gerne helfen wollen. Und dann leider auch andere, wo es mir so vorkommt, als ob es tatsächlich nur ums BESSER wissen geht und ums "wichtig" sein.
    Aber wie du schon schreibst, ich glaube auch dass jede mal verunsichert ist und es hat eben auch jede ihre eigene Meinung von etwas und das sicher nicht ohne Grund. Und hier ist denke ich Toleranz ganz wichtig- was Mutter A für das perfekte hält, muss für Mutter B nicht unbedingt funktionieren. Gute Tipps sind toll und hierfür ist bestimmt auch jede dankbar- bloß ist der eigene Weg eben nicht der heilige Gral für alle.
    Wenn sich hier jeder vorher an die eigene Nase fassen würde, wäre der Umgang insgesamt wohl oft etwas entspannter.
    Und genau das versuche ich immer auch anzuwenden; ich habe oftmals meine eigene Meinung von oder zu bestimmten Dingen, aber versuche dran zu denken, dass diese nicht für alle anderen auch so gelten muss. Manchmal ertappe ich mich dann selbst dabei dass ich mir denke "oh mein Gott, wie kann man das nur so und so machen??" aber solche Gedanken verdränge ich dann ganz schnell und bin dann teils erstaunt, wie man an Sachen rangehen kann, wenn man unvoreingenommen ist. Meistens funktioniert das recht gut und mein Ziel für mich selbst ist es, keinesfalls eine "zickende" Mutter zu werden, die immer alles besser weiß, sondern die Toleranz beizubehalten- auch und gerade wenn ich anderer Meinung bin.
    LG

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  2. Ein wirklich sehr guter Post :)!!
    Und ein sehr schönes Bild :-)

    Liebe Grüße :)

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  3. Hallo, ein schöner Post mit viel Wahrheit dahinter. Ich glaube auch, dass man Kritik eher unbewusst rüber bringt. Nachdem man lange einen Weg für sich gesucht und manchmal auch gefunden hat, verteidigt man den vermutlich auch. Ob das immer richtig ist, ist die andere Sache. Wäre schön, wenn mehr Mamas so denken, wie du.

    Liebe Grüße

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  4. Wunderbarer und so wahrer Text! Ich denke auch, dass man zuallererst bei sich selbst anfangen muss. Ich für meinen Teil äußere mich so gut wie nie direkt gegenüber anderen Eltern zu ihrer Umgehensweise mit ihren Kindern und bin im Gegenzug sehr enttäuscht, wenn mir andere ständig ihre tollen Tipps erzählen wollen. Es ist aber charakterabhängig und auch kindabhängig: Eltern, bei denen alles ganz leicht funktioniert, weil die Kinder eben so pflegeleicht sind, denken tatsächlich, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und müssten die anderen Eltern mit "nicht so gut funktionierenden" Kindern belehren. Ich sage eigentlich nur was, wenn mir jemand von der Ferber-Methode (kontrolliertes Schreien lassen) erzählt, weil das für mich an Kindesmisshandlung grenzt. Ansonsten schweige ich zu dem, was mir andere erzählen, denke mir meinen Teil und mache vieles anders, weil meine Kinder eben anders sind und ich eine andere Mutter bin.
    Danke für Deinen Text!
    Liebe Grüße!

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  5. ich hab manchmal das gefühl, dass ich als schwangere und & mutter keine privatperson mehr war/bin. jeder darf etwas zu meiner situation sagen, darf mich verbessern oder kritisieren. dein leben gehört nicht mehr dir, sondern allen. & da muss man einfach lernen stopp! zu sagen. danke für den gut gemeinten rat, danke für die (hoffentlich) gut gemeinte kritik, aber meine familie & ich wir machen das so. punkt.

    wenn ich sehe, wie leute ihre babys mit kissen stützen, damit sie schon sitzen, wie sie sie den ganzen tag im maxicosi rumtragen oder ihnen mit einem halben jahr schon eiscreme geben, dann muss ich mich auch am riemen reißen. ich weiß, dass das nicht gut für die kinder ist, aber es sind eben nicht meine kinder & es ist nicht meine entscheidung.

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  6. Sehr schöner Artikel! Ja, das ist ein Lob... ;-) Ich habe mir nämlich das Gleiche vorgenommen: Mehr Lob, möglichst keine Kritik oder auch (ungefragte) Ratschläge.

    Eine Freundin von mir ist gerade schwanger und ich muss sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ein großes Bedürfnis habe, ihr ganz viele (in meinen Augen natürlich ausschließlich "gute" und nützliche, aber eben doch auch ungefragte) Ratschläge zu geben. Muss mich tatsächlich oft etwas zusammen reißen.
    Wahrscheinlich entstehen genau auf diese Art viele der oft gut gemeinten, aber trotzdem nervigen Kommentare, Ratschläge oder eben auch Kritik.

    Zum Thema "Mütterbiester" habe ich übrigens auch selbst schon ein-zwei Artikel geschrieben: https://seitdudabist.wordpress.com/2014/12/05/ich-das-mutterbiest/ oder https://seitdudabist.wordpress.com/2014/12/08/mutterbiester-teil-ii/

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  7. Sehr schön geschrieben & auch das Thema hast du perfekt gewählt!! Ich kann mir leider sehr gut vorstellen, dass all die "lieben Mamis" leider gegenüber anderen Mamis oder Schwangeren auch mal ganz schöne Biester sein können. Warum sie ihre tollen Tipps nicht einfach für sich behalten können, frage ich mich dann jedes Mal. Vielleicht möchten sie ja wirklich helfen, aber nun ja, auf die Art von Hilfe kann glaube ich jeder verzichten, da es beim Gegenüber absolut nicht als gut gemeinten Ratschlag rüberkommt. Glücklicherweise gibt es ja ganz ganz viele unglaublich liebe Menschen um uns herum, mit denen es Spaß macht, auch einmal Problemchen zu wälzen und bei denen es einfach gut tut, gemeinsame Zeit zu verbringen!! Ich versuche immer mehr mich genau mit den Menschen, die einem gut tun, einen verstehen und nun eben keine schlaflosen Nächte bereiten, zu umgeben. Aber ja, der Schritt dahin kann auch erst einmal recht schwer sein... viel Erfolg dabei!

    Alles Liebe,
    deine CA von bindannmalschwanger <3

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