Luxus ist relativ- besonders für Mütter ;)

Mittwoch, 1. April 2015


Ich kam mächtig ins Grübeln als ich letzte Woche beim Zahnarzt saß und es als richtigen Luxus empfunden habe, 20 Minuten lang in Ruhe in Zeitschriften zu blättern, ganz ohne Unterbrechungen und Seitenblicke, um zu schauen, was der Nachwuchs gerade macht. Selbst die Aussicht auf Bohren hätte mir wahrscheinlich in diesem Moment dieses Gefühl nicht verdorben. Was war passiert? Mal eben in Ruhe etwas lesen- seit wann ist das denn jetzt plötzlich Luxus für mich geworden? Ganz richtig. Seitdem ich Mama bin ;) Ich wundere mich, wie es sich im Laufe eines Lebens so verändern kann, was wir als ,,luxuriös" betrachten. 

Ich fing an, in Gedanken zurück zu reisen. Ich habe zum Beispiel lange überlegt, was für mich früher als Kind Luxus war. Garantiert auch solche Dinge wie mehr Süßigkeiten essen zu dürfen als am Tag zuvor, und die neueste Barbie aus der Werbung im Kinderzimmer begrüßen zu dürfen. Aber besonders im Rückblick kann ich sagen, dass wohl wahrer Luxus in meiner Kindheit für mich bedeutet hat, Zeit mit meinem Vater bzw. Zeit als ganze Familie zu verbringen. Er hat schon immer sehr viel gearbeitet, daher war mir die Quality Time als Familie einfach unheimlich kostbar. Diese gemeinsamen Momente waren die Schätze, die ich besonders gerne gesammelt habe. Naja. Im Zuge der Pubertät wurden meine Ansprüche wie bei so vielen teurer und egoistischer. Handy, Laptop, die neuesten Klamotten, das erste eigene Auto. Das gehörte zum Luxus, über den ich mich gefreut habe. Später im Studium war dann plötzlich alles Luxus, was nicht spottbillig war. Das Studentenleben eben... ;) So etwas wie Zeit für sich alleine oder mit Freunden und der Familie habe ich auch damals schon sehr wertgeschätzt, wäre aber wohl nie auf die Idee gekommen, das als Luxus zu bezeichnen.



Es hat sich eben einiges verändert. Hier ein paar Beispiele dafür, was ich in den letzten Monaten als wahrlich luxuriös betrachtet habe, aber früher wohl nie für möglich gehalten hätte ;)

  •  mit geschlossener Tür und ohne Zuschauer zur Toilette zu gehen oder zu duschen
  • sich in Sachen Frisur und Make-Up nicht für die praktischere, sondern für die schönere Variante zu entscheiden
  • langsam und genüsslich zu essen ohne zu schlingen wie ein Barbar, weil es gerade wieder viel zu hektisch ist, oder mein Sohn starke Anzeichen von Futterneid zeigt
  • mit einer Einkaufstüte nach Hause zurückzukehren, in der einfach nur etwas für mich ist, selbst wenn es nur ein Lippenstift ist (aber dafür mal keine Packung Pampers oder Feuchttücher)
  • mit meinem Baby zu kuscheln und dabei all die Aufgaben zu vergessen, die gerade eigentlich noch auf mich warten
  • mit meinem Mann händchenhaltend durch die Stadt zu laufen (sonst hat ja meistens mindestens einer seine Hände am Kinderwagen)
  •  einmal nicht die große Wickeltasche im Schlepptau zu haben, sondern die kleinste Handtasche, die ich besitze
  • Feinstrumpfhosen zu tragen, die nicht nach fünf Minuten mit Laufmaschen verziert wurden
  • ein weißes Oberteil zu tragen, und zwar ganz frei von Brei-, Kotze- und ähnlichen Flecken 
  • einen Abend mit meinen Freundinnen zu verbringen, wo sich die Gelegenheit für andere Gesprächsthemen bietet, und man auch kurz mal einfach Frau und nicht nur Mama sein kann
  • einen Ort zu besuchen und sich dabei keine Gedanken darüber zu machen, ob man da überhaupt mit dem Kinderwagen durchkommt
  • Dienstleistungen zu empfangen. Als Mama sind die Jobs vielfältig und man ist der Dienstleister schlechthin. Man ist irgendwie gleichzeitig Psychologin, Lehrerin, Krankenschwester, Babysitter, Eventmanagerin, Waschfrau, Putzfrau, Kinderärztin, Köchin, Bäckerin, Richterin, Dekorateurin u.v.m. Man tut ständig seinen Lieben um sich herum etwas Gutes. Luxus ist, wenn wir dann mal nicht selbst die Arbeit machen, sondern bedient oder verwöhnt werden. Ein Besuch im Restaurant, beim Frisör oder der Maniküre kann da den gleichen Effekt haben wie früher zwei Wochen Wellnessurlaub
  • Zeit dafür zu haben, mir Gedanken über die Farbe meines Nagellacks zu machen und nicht nur über die Farbe des Stuhlgangs meines Babys

Was ich aktuell als Luxus empfinde, hat also im Grunde genommen gar nichts mit Geld zu tun. Man könnte beim Lesen vielleicht auf die Idee kommen, das Leben als Mama wäre so schrecklich, dass man sich nun plötzlich über solche Kleinigkeiten freut, weil man ja so arm dran ist. Oder man wäre als Mutter total egoistisch, wenn man sich so etwas wünscht. Aber nein, so ist es auf gar keinen Fall :) Ich denke jeder braucht kleine Zeitinseln, wo er einfach mal etwas für sich selbst tut. Besonders als junge Mutter erlebt man eine sehr intensive Phase, in der man sich ganz besonders aufopfert. Da ist eine kleine Auszeit Gold wert, um neue Kräfte zu tanken. Hast du vielleicht eine Freundin, die ein Baby hat und willst ihr etwas richtig Luxuriöses schenken? Dann nutz die Gelegenheit. Denn das ist in dieser Lebensphase besonders einfach :D Einfach mal etwas früher zur Verabredung zu ihr nach Hause kommen und den Nachwuchs bespaßen, solange sie in Ruhe und mit geschlossener Tür duscht und sich fertig macht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie dir dann genauso froh um den Hals fällt, als hättest du ihr gerade teure Diamanten geschenkt :D 

Wahrscheinlich übertreibe ich gerade. Und doch gibt es auch solche Tage im Alltag einer Mutter, an denen das sogar untertrieben scheint. An denen wir dankbar für die Kleinsten und einfachsten Dinge sind, die uns kurz mal abschalten lassen. Die uns helfen den Akku aufzuladen, damit wir uns wieder voll und ganz dem wirklich Kostbarsten zuwenden können, das wir in unserem Leben haben dürfen: Unserem Kind :)



Was empfindet ihr eigentlich als Luxus, seitdem ihr Mutter seid :) ?

5 Kommentare |

  1. Hallo,
    nein du übertreiibst gar nicht. Ich sitze gerade in unserem Wipp-Stuhl vom Möbelschweden mit Laptop auf dem Schoß, lese im Internet, trinke einen Kaffee und genieße die Zeit in der mein kleiner Mann schläft.... und ich kann dir absolut nachempfinden.
    Seitdem der kleine auf der Welt ist, sind mir Äußerllichkeiten auch gar nicht mehr so wichtig.

    Einen schönen Tag wünsche ich dir.
    Lg Sara

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  2. Ach, da sagst du was Richtiges, deine Punkte kann ich alle genau SO unterschreiben ... vor allem die Sache mit dem Nagellack. Den überhaupt wieder zu tragen, weil Baby nicht mehr an den Mamafingern kaut, ist ja schon die reinste Mama-Dekadenz an sich :D

    Hinzufügen kann ich aber auch folgende Luxussituation: wenn der Papa schon mit dem Baby ins Bett geht, man selbst noch zweieinhalb Stunden bei einem Weinchen bloglesend auf dem Sofa sitzt und gegen Mitternacht erst ins Bett geht, wo Baby und Papa miteinander kuschelnd eingeschlafen sind (und auch noch die Katze am Fußende schnurrt). Unbezahlbar!

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  3. ...das unterschreibe ich sofort. Witzig, wenn ich alleine rausgehe, nehme ich auch immer meine Mini-Handtasche mit;)

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  4. Sehr schöner Beitrag! Spricht mir aus der Seele :) Mal alleine im Bad sein zu können, ist mittlerweile auf jeden Fall schon Luxus :)

    Liebe Grüße,

    Lisa

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  5. Hallo MojosMom,

    Ruhe/Stille ist für mich Luxus. Wenn das Baby schläft und niemand Mama ruft oder ununterbrochen redet, wie das Kindergartenmädchen gerne tun, dann ist das der pure Luxus. Wenn der Papa mit beiden Kindern unterwegs ist, dann geniesse ich eine kurze Zeit Stille.
    Manchmal aber auch das Gegenteil, Musik hören können so laut wie ich das mag (z.B. im Auto alleine).
    Duschen, ohne das das Kindergartenkind an der Tür klopft oder ins Bad marschiert.
    Ein Buch lesen, abends, wenn alle schlafen.
    Eine kurze Auszeit von der Familie, z.B. Nägel machen lassen, Friseurbesuch, mal zum Sport gehen.
    Kaffee trinken mit der besten Freundin (aber mit Baby im Schlepptau).
    Und: ein sehr wichtiger Luxus, leider ganz selten bei uns, ein Paarabend (z.B. Kino).

    Liebe Grüße,
    Isabella

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