An die Eltern, die nun plötzlich Großeltern sind

Montag, 24. August 2015


Es muss schon ein seltsames Gefühl sein. Zu sehen, wie das eigene Kind erwachsen wird. Du erinnerst dich noch genau an das Gefühl, als dein Baby lediglich ein kleiner Punkt auf einem Ultraschallbild war. Doch es wuchs in dir heran. Du konntest es spüren. Brachtest es zur Welt. Hast es groß gezogen. Hast deinen kleinen Liebling an der Hand gehalten und warst trotzdem so unheimlich stolz als er seine ersten wackeligen, aber eigenen Gehversuche unternahm. Schritt für Schritt wurde dein Kind älter und erwachsener. Bestimmte immer selbständiger in welche Richtung seine Schritte gehen sollten. Es zog aus. Fand den Partner, mit dem er von nun an zusammen leben wollte. Gründete eine Familie. Und plötzlich war es geschehen. Aus Eltern wurden Großeltern. 

Ich kann mir vorstellen, wie unwirklich das Ganze sich angefühlt haben muss. Doch von Anfang an warst du in dein kleines Enkelkind verliebt. Genauso wie du es in dein eigenes Kind warst. Du hast ein Teil deines Kindes in deinem Enkelkind wiedererkennen können. Damit vielleicht sogar auch einen Teil von dir selbst.



Nur gut gemeint

Du meinst es natürlich nicht böse. Aber weil du dein Enkelkind so sehr liebst, willst du nur das Beste für es. Dein Kind ist zwar erwachsen, aber ein Teil von ihm wird in deinen Augen wohl immer seine Eltern brauchen. Dich brauchen. Also gehst du davon aus, dass nichts Schlechtes dabei sein würde, wenn du die Erfahrungen, die du bereits machen durftest, nun auch teilst. Ratschläge verteilst. Gutgemeinte Ratschläge natürlich. Vielleicht wunderst du dich auch, warum dein Kind darauf so negativ reagiert. Schließlich sollte es kein Vorwurf sein. Warum scheint es denn nun trotzdem davon verletzt zu sein? 

Eigentlich willst du dich ja auch nicht einmischen. Aber irgendwie ist es wie ein Sog. Dieses Gefühl unbedingt helfen zu wollen. Die Sehnsucht danach, immer noch gebraucht zu werden. So wie damals, als dein eigenes Kind noch klein war. Das alles ist verständlich, wenn man einmal genauer darüber nachdenkt. Doch vielleicht wagst du nun auch einen Blick auf die andere Seite? Wie wäre es, die Situation einmal durch die Augen deines Kindes zu betrachten?

Der Wunsch nach Eigenständigkeit

Dein Kind wird garantiert hier und da deine Hilfe brauchen. Doch wenn es soweit ist, wird es danach fragen. Erinnerst du dich daran, wie es früher so schön stolz geschaut hat, als es etwas alleine geschafft hat? Als die Stützräder weg waren? Als es sich selbst etwas zum Essen gemacht hat? Als es zum ersten Mal alleine Auto fahren durfte? Warst du da nicht auch ein klein wenig stolz? Den Wunsch etwas alleine zu schaffen und damit seine Eltern womöglich sogar stolz zu machen wird sich vermutlich nie völlig auflösen. 

Frischgebackene Eltern müssen so viel Neues lernen. Mit so vielen Veränderungen klar kommen. Doch sie wollen dies selbständig tun. Nicht, weil sie ihre Eltern aus ihrem Leben ausklammern wollen. Aber vielleicht auch ein Stück weit deswegen, weil sie beweisen wollen, dass sie nun endgültig erwachsen sind. Auf eigenen Beinen stehen. Eigene Entscheidungen treffen können. Verantwortung für sich und andere übernehmen können. Dabei tun sie nicht so als wären sie erwachsen, sie sind es einfach.

Immer noch gebraucht

Manchmal merken deine Kinder vermutlich auch nicht, wie weh sie dir tun, wenn sie deine Ratschläge nicht annehmen. Gerade vielleicht sogar nicht einmal hören wollen. Auch ihnen würde ab und an ein Perspektivwechsel gut tun. Oft wäre ihnen aber mehr nach einem ,,Du machst das gut" oder ,,Ich bin stolz auf dich" von dir. Denn weißt du was? Du hast vielleicht das Gefühl, sie hätten in dieser Situation vergessen, dass ihr ihre Eltern seid. Dabei ist es genau andersherum. Sie wünschen sich nämlich, dass ihr nicht vergesst, dass ihr nicht nur Großeltern seid, sondern immer noch Eltern. Aus Großelternperspektive ist es verständlich, dass ihr euch Sorgen um euer Enkelkind macht. Doch aus Elternsicht, solltet ihr aus Erfahrung wissen, dass eure Kinder Freiraum brauchen, um sich auszuprobieren. Dass ihre Entscheidungen vielleicht anders ausfallen als eure, aber dass sie trotzdem gut sind. Dass sie auch manchmal mehr auf euer Lob als auf eure Kritik angewiesen sind. 

Bitte denkt immer daran, dass ihr nicht nur Großeltern seid, sondern immer noch in erster Linie Eltern. Und auch wenn ihr nur das Beste für eure Enkel wollt, bitte vergesst hierbei nicht eure Kinder. Vergesst nie, sie auch danach zu fragen, wie es ihnen gerade geht. Bietet ihnen Hilfe an, drängt sie ihnen aber nicht auf. Seid da, wenn sie nach eurer Meinung fragen, aber werft nicht mit Ratschlägen um euch. Denn auch wenn sie erwachsen sind, brauchen sie euch immer noch. Vielleicht auf eine andere Art und Weise. Trotzdem seid ihr immer noch unersetzlich. Kostbar. Geliebt. 





Hat sich in der Beziehung zwischen euch und euren Eltern etwas geändert, seitdem ihr selbst Eltern seid und sie somit Großeltern?

3 Kommentare |

  1. Das ist wirklich ein spannendes Thema und ein schöner Artikel geworden!

    Ich habe festgestellt, dass vor allem meine Mama, die ja jetzt Oma ist, sehr daran zu knabbern hat. Nicht im Sinne von Ratschlägen, aber sie hat anscheinend große Angst, ausgeschlossen zu werden und wir haben das Gefühl, dass sie durch die Art und Weise, wie wir mit dem Rubbelbatz umgehen, was wir für ihn wollen oder nicht wollen, nochmal mit ihrer eigenen Mutterrolle und mit Dingen, die sie vielleicht falsch gemacht haben könnte, konfrontiert wird. Für mich fühlt es sich so an, als müssten wir beide erst einmal unsere neue Rolle finden. Momentan sind wir noch nicht so weit und daraus ergeben sich manchmal etwas stockende Gespräche und Situationen, was ich sonst nie kannte mit meiner Mama.

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  2. Mir ist bewusst geworden, wie lieb mich meine Eltern eigentlich haben, seitdem meine Tochter auf der Welt ist. Und das fand ich total überwältigend.
    Hinweise, die mir nicht passen, ignoriere ich einfach, das ist für mich auf Dauer die sinnvollste Lösung.

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  3. also ich hatte selbst schon immer ein gutes verhältnis zu meinen eltern und meine tochter hat es jetzt auch zu ihnen.. meine eltern sind schon mehrfach großeltern.. aber sie selbst sagen, dass sie zu keinem enkelkind den bezug haben, wie zu meinem kind.. ich gebe mir große mühe, dass sie meine tochter regelmäßg zu gesicht bekommen, auch wenn wir etwas weiter entfernt wohnen
    <3

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