Bedingunglose Liebe - Gibt es so etwas überhaupt?

Dienstag, 18. August 2015



Manche Schlagzeilen kann man nicht lesen, ohne dass einem ein unguter Schauer über den Rücken läuft. Erst letzte Woche wurde von einem französischen Paar berichtet, das beim Wandern durch eine Wüste in New Mexico verdurstet ist. Ihr neun Jahre alter Sohn konnte nur deshalb überleben, da seine Eltern ihn mit einem Großteil ihres nur spärlichen Wasservorrates versorgten... Natürlich kann man das auch kritisch sehen, schließlich ignorierten sie aus nicht bekannten Gründen die Sicherheitshinweise und hatten letztlich viel zu wenig Wasser dabei. Dadurch brachten sie sich und ihren Sohn in Lebensgefahr. Er muss nun ohne seine Eltern groß werden... Trotzdem ist das, was in dieser Geschichte ans Herz geht etwas Anderes. Wie kann eine Liebe nur so groß und bedingungslos sein, dass man für sie tatsächlich bereit ist, sein eigenes Leben zu opfern?



Wer dieses Gefühl nicht schon bereits kannte, für den stehen die Dinge anders sobald er ein Kind hat. Seitdem ich Mutter bin weiß ich, dass es mindestens eine Person auf dieser Welt gibt für die ich mein Leben garantiert und 100%-ig geben würde. Da würden mich die Umstände nicht nachdenklich stimmen. Sie wären mir völlig egal. Wenn ich durch mein Leben das Leben meines Sohnes retten könnte, dann würde ich es tun. Ich habe das gespürt als er kurz nach seiner Geburt auf meinem Bauch lag, so winzig und hilflos, komplett auf mich angewiesen... Ich habe gespürt, dass es wirklich bedingungslose Liebe gibt. In einer Welt, wo jeder meist zuerst an seinen eigenen Vorteil denkt, wo das eigene Ego den ersten Platz im Leben einnimmt, wo der Partner und Freunde ersetzbar scheinen, je nachdem was einem gerade besser passt. Aber ich denke, wahre Liebe stellt keine Bedingungen auf. So geht es mir zumindest mit meinem Sohn. Er könnte alles tun, es würde nichts an meiner Liebe zu ihm verändern. Selbst wenn er mich nicht mehr in seinem Leben haben wollte, ich würde ihn immer noch genauso lieben.

Wenn man bedingungslos liebt, ist man bereit etwas zu opfern. Im Kleinen tue ich das tagtäglich. Geht es meinem Kind nicht gut, dann opfere ich meinen Schlaf für ihn. Egal wie sehr das auf Dauer an einem zehrt. Egal wie viel Hunger ich habe. Wenn er mich gerade braucht, bin ich für ihn da. Bevor ich selbst esse, kümmere ich mich darum, dass er keinen Hunger haben muss. Auch wenn ich gerade gerne etwas für mich tun würde, alleine. Ich weiß, dass das warten kann, wenn es meinem Kind dadurch besser geht. Diese Liste ist noch längst nicht vollständig. Trotzdem würde man nie auf die Idee kommen, diese Taten an Bedingungen zu knüpfen, oder später seinem Kind ,,in Rechnung" zu stellen. Eltern tun all dies freiwillig und aus Liebe.

Und auch wenn man hofft, dass man selbst nie in eine ähnliche Situation wie das Paar in der mexikanischen Wüste gerät. Egal wie sehr man darum betet, dass einem selbst so etwas nicht passieren möge. Wenn es dazu kommen würde, würden Eltern alles für ihr Kind geben. Die Liebe zu seinem Kind ist fast schon erschreckend stark. Aber das ist auch gut so. Ich weiß, dass meine eigenen Eltern mich genauso lieben. Das wusste ich schon immer. Aber wie das wirklich ist, das kann ich eigentlich erst jetzt richtig nachvollziehen. Wo ich selbst weiß, wie es sich anfühlt, sein Kind zu lieben. Völlig bedingungslos. Ich glaube das dass eines der intensivsten Erfahrungen ist, die man als Eltern macht. Eine, für die man eindeutig dankbar sein kann.

2 Kommentare |

  1. Du hast so recht.. Für meine Tochter würde ich wirklich alles geben.. sowas kann man erst richtig verstehen wenn man selbst Kinder hat.. Seit ich Mama bin bereue ich vieles was ich als Jugendliche zu meinen Eltern gesagt habe und alles womit ich sie belastet habe.. Jetzt weiß ich erst wie sehr sie mich lieben.. Genau so wie ich jetzt mein Kind liebe

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  2. Ich liebe Deine Texte wirklich dafür, dass sie beschreiben, wie ich mir das Kinderhaben auch vorgestellt hatte. Genauso, wie Du die Liebe für ein Kind beschreibst, dachte ich, würde sich das auch für mich anfühlen. Du kennst ja meinen Blog etwas und weißt, dass es bei mir (und anderen) leider nicht so war. Ich hatte keine Glücksgefühle nach der Geburt, ich war wahnsinnig unglücklich in den ersten Jahren des Mamaseins und erst so langsam gewöhne ich ich mich etwas daran. Ich habe es gehasst, mein Leben und meine Bedürfnisse für meine Kinder aufzugeben oder einzuschränken. Es ist leider keine naturgegebene Tatsache, dass Eltern automatisch glücklich sind, wenn sie Kinder haben, das berichten auch andere immer wieder. Schätze Dich glücklich, dass Du es so empfinden konntest. Genauso habe ich es mir vorgestellt und gewünscht. Es war leider nicht so und kommt erst Stück für Stück. Und trotzdem habe ich mich, würde ich sagen, auch bedingungslos um meine Kinder gekümmert, habe ihre Bedürfnisse erfüllt und bin auf sie eingegangen. Ich weiß selbst nicht, wie ich diesen Spagat geschafft habe, es war auf jeden Fall seelisch sehr anstrengend. Aber es wird besser...
    Liebe Grüße!

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