Papa kann das (?)

Mittwoch, 5. August 2015


Ich werde wohl so schnell nicht den verwunderten Gesichtsausdruck einiger Bekannten vergessen, als mein Mann sich während einer Veranstaltung unseren Sohn und die Wickeltasche schnappte, um ihm die Windeln wechseln zu gehen. Sie hätten wohl eher erwartet, dass das meine Aufgabe gewesen wäre. Mit einem Augenzwinkern erklärte ich ihnen, dass sie sich keine Sorgen machen müssten. Wenn man all die Windeln, die ich vor allem wochentags wechsele zählen würde, wäre das immer noch die eindeutige Mehrheit ;)

Ist ein Mann, der am Wochenende ein paar Windeln wechselt denn wirklich so etwas Exotisches? Manchmal denke ich dann zurück an die Zeit im Krankenhaus kurz nach MoJos Geburt. Nachdem die Kinderkrankenschwester es uns einmal gezeigt hatte, war es eindeutig mein Mann, dem das Windelnwechseln zunächst besser gelang. Warum auch nicht? Schließlich waren wir beide in Sachen Baby völlige Anfänger und nur weil man als Frau das gemeinsame Baby ausgetragen hat, macht dies uns noch nicht schlagartig von dem einen auf den anderen Augenblick zum Vollprofi in Sachen Babypflege.



Ich bin froh, dass sich heutzutage so Einiges verändert hat. Dass Männer nicht nur aus der Distanz heraus beobachten oder sich nur für die Bespaßung des Nachwuchses verantwortlich fühlen. In meinen Augen gibt es grob in Schubladen gequetscht drei Arten von frischgebackenen Säuglingsvätern:

1. Ich bin Papa- Ich kann das nicht

Diese Spezies von Vater fühlt sich allein schon aufgrund seiner biologischen Voraussetzungen nicht dazu im Stande dieses kleine zerbrechliche Wesen, das er selbst gezeugt hat, zu halten oder zu verpflegen. Zum Glück kann seine Partnerin das besser. Er selbst kommt dann erst wieder ins Spiel, wenn der Nachwuchs laufen kann. Wenn er bloß ahnen würde, was ihm bis dahin mit dieser Einstellung alles entgeht...

2. Ich bin Papa- Ich darf das nicht

Hier sind seltsamerweise nicht die Väter der Ursprung des Problems, sondern die Mütter. In diesem Fall hält nämlich sie ihren Mann für biologisch ungeeignet, ebenfalls Verantwortung bei der täglichen Babypflege zu übernehmen. Sie hat einfach gesprochen Angst. Sie würde zwar niemals zugeben, dass sie ihrem Mann bei gewissen Aufgaben nicht vertraut, aber vorsichtshalber übernimmt sie einen Großteil der Arbeit selbst. Den Mann stört dies mal mehr, jedoch meistens eher weniger.

3. Ich bin Papa- Ich kann das

Dieser Vatertypus ist eindeutig sowohl theoretisch als auch praktisch im Jahr 2015 angekommen. Was er noch nicht kann, das lernt er eben noch. Und außer dem Stillen gibt es keine Aufgabe, die er seiner Frau zu 100% überlässt, wenn sie es nicht will. 


Ich bin ganz klar ein Fan von Nummer 3! Die Umstände mit denen frischgebackene Eltern heute konfrontiert sind, sind einfach nicht mehr die gleichen wie früher. Da ist es doch eigentlich nur selbstverständlich, dass sich hierdurch auch die Vaterrolle weiterentwickeln musste. Genauso wie es heute nicht mehr exotisch ist, dass eine Frau viele Jahre in ihre Ausbildung inverstiert und danach auch arbeiten gehen kann, genauso wenig exotisch sollte es dann auch sein, wenn ein Vater sich dazu entschließt in Elternzeit zu gehen oder sich doch zumindest nach Feierabend und an den Wochenenden gleichwertig um seine Kinder zu kümmern. 

Ich glaube in unserer Zeit sind Eltern viel mehr als Team gefragt als je zuvor. Die Aufgaben sind nicht mehr allein geschlechtsspezifisch und klar von einander getrennt verteilt. Die Herausforderung besteht doch viel eher darin, sich bestmöglichst zu ergänzen und flexibel mit der Aufgabenverteilung innerhalb der Familie umzugehen.

Man könnte jetzt sagen: ,,Ooooh, die armen Männer... Was sollen die denn jetzt sonst noch alles machen...?" Aber darum geht es im Grunde genommen auch gar nicht. Aufgaben gerecht zu verteilen ist natürlich auch positiv für eine Beziehung. Der Punkt ist, dass den Männern und ihren Kindern doch auch sehr viel entgehen würde, wenn sie sich aus den alltäglichen Dingen mit ihrem Baby zurückziehen würden. Gerade solche ,,Nebensächlichkeiten" sind wichtig für die Bindung und schweißen zusammen. Denn eigentlich ist es ein Vorrecht, ein Kind nicht nur in die Welt zu setzen, sondern sich danach auch darum zu kümmern. Ich finde es toll, wenn Väter diese Herausforderung annehmen und auch zuhause ,,ihren Mann stehen", selbst wenn es um das Windelnwechseln, Kleidung aussuchen, Fingernägel schneiden, Fläschchen geben, baden und co. geht :)




Wie ist das bei euch zuhause? Gibt es bestimmte Aufgaben, die nur ihr als Mutter erledigt, oder hilft euer Partner in allen Bereichen rund um eure Kinder mit so gut es geht?

5 Kommentare |

  1. Hallo,
    mein Sohn ist zwar schon läääääängst aus dem Windelalter raus, aber auch mein Mann hat damals gleich mit "angepackt" und hat auch mal selbst die Windeln gewechselt. Anfangs noch von mir oder meiner Schwiegermutter tatkräftig unterstützt, hat er bald selbst seinen Mann gestanden und er hat es nicht bereut.

    Liebe Grüße
    Melanie

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  2. huhu, wirklich schöner Artikel!

    Also ich muss sagen, manchmal stimme ich dir zu, manchmal aber auch nicht, aber es ist ja sowieso bei jedem anders :)

    Bei uns wurde auch von vorneherein mit angepackt, ich habe allerdings auch darauf bestanden. Da ich stille war ich von vorneherein die die nachts aufstehen musste. Allerdings konnte ich durch die Geburt am anfang nicht unbedingt immer aufstehen und pampers wechseln sondern nur "rübergreifen". Also musste mein schatz nachts aufstehen zum wechseln, auch als ich dann konnte, ich fand das auch einfach gerecht hihi.

    hat er von vorneherein auch super gemacht auch wenn er etwas langsamer war.

    Jetzt müsste ich wenn wir irgendwo sind allerdings sagen "würdest du bitte", und es lag wirklich nicht an mir :D Die Angst kommt auch wirklich nicht von mir sondern von ihm. Wenn ich duschen will sehe ich schon entsetzten in den Augen und ich sage du schaffst das schon viel spaß bis in 30 min. nach 15 min höre ich vor der Badezimmertür ein weinendes Baby und "Mama kommt ja gleich" :D

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  3. So lange der Mann arbeiten muss, habe ich auch kein Problem damit Haushalt und Kind zu stämmen. Er ist 8 Stunden aus dem Haus, plus Arbeitsweg und früh Aufstehen, ist abends müde und hat einen langen Tag hinter sich und er macht das alles, damit ich beim Kind bleiben kann. Da finde ich das nur fair. Im Gegenzug erwarte ich, dass er sich nach der Arbeit Zeit für sein Kind nimmt. Kuscheleinheiten, Vorlesen usw. und wenn er frei hat mir auch mal tägliche Aufgaben abnimmt und ich auch mal die Beine lang machen kann. Damit verfahren wir sehr gut.

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  4. ich finde das auch ganz normal, dass mein freund mal die windel von unserer maus wechselt.. anfangs hat er es sehr oft gemacht, als wir noch im kh waren, weil es mir schwer fiel aufzustehen wegen dem kaiserschnit..
    zu hause angekommen hat er es dann eine seeehr lange zeit nicht mehr gemacht.. aber dann habe ich ihn mal mit der kleinen alleine gelassen udn bin einkaufen gefahren.. und was bleib ihn da anderes über.. seitdem macht er es auch wieder öfter :D
    naja, manchmal muss man einfach tricksen :D

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  5. Das Frühlingskind ist ja auch unser 1. Kind und anfangs waren wir beide extrem verunsichert und übertrieben ängstlich. Mein Mann hatte immer Angst, etwas falsch zu machen und ich war ehrlich gesagt auch zu gemein zu ihm und ließ ihn kaum etwas machen. Das änderte sich schlagartig nach unserem 1. gemeinsamen Familen-Urlaub. Da war der Kleine 5 Monate alt und wir wuchsen innerhalb von 2 Wochen auf teilweise sehr engem Raum extrem zusammen und auch mein Mann konnte endlich eine wunderbare Bindung zu dem Zwerg aufbauen. Seitdem übernimmt er auch viel und ich vertraue ihm absolut. Schade, dass es nicht schon früher so toll bei uns geklappt hat.

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