Der (ganz normale) U-Untersuchungswahnsinn

Dienstag, 13. Oktober 2015


Eines haben sowohl meine Frauenärztin als auch MoJos Kinderärztin gemeinsam: Auf beide kann ich mich 100%-ig verlassen, weil sie einfach unheimlich kompetent und engagiert sind. Aber vermutlich genau hierdurch haben sie beide auch einen leichten Hang zur Überbesorgnis... Während meiner Schwangerschaft äußerte sich das so, dass ich insgesamt zweimal eine Überweisung zur Feindiagnostik erhalten habe. Jedes Mal weil MoJo im Vergleich recht klein war . Aber zum Glück, gab es auch immer sofort Entwarnung mit der Erklärung, ich könne als kleine Frau glücklich über ein kleines Baby sein, schließlich müsse ich es ja noch zur Welt bringen :D Naja, ich war meiner Ärztin dankbar, dass sie sich lieber zu viele Sorgen gemacht hat als zu wenige. Vorsorge ist schließlich besser als Nachsorge. Trotzdem war es nicht immer leicht, da ich mir als werdende Mütter natürlich auch jedes Mal Gedanken machen musste, ob wirklich alles in Ordnung sei.
 
MoJo mit einem seiner ersten Bodys (in Größe 50). Der passt garantiert nicht mehr :D
 
Bei der Kinderärztin ging es dann auch so weiter. Zunächst gab es keine U-Untersuchung, die ich ohne eine Überweisung zur Physiotherapie verlassen habe. Die erste war auch bitter nötig. Dadurch dass bei MoJos Geburt mit der Saugglocke nachgeholfen werden musste, hatten sich bei ihm im Halsbereich Muskeln verspannt, sodass er seinen Kopf in die eine Richtung nicht so gut drehen konnte. Im Krankenhaus war das keinem aufgefallen und ich ärgere mich bis heute, dass ich es bis zur ersten U-Untersuchung beim Kinderarzt auch selbst nicht bemerkt hatte... Aber zu Beginn sind Babys ja noch nicht so mobil, außerdem ist alles noch so neu für einen als Mutter... Aber ich rate allen frischgebackenen Mamas aus leider eigener Erfahrung: Achtet am Besten einmal ganz bewusst darauf, ob euer Schatz sein Köpfchen in beide Richtungen gleich gut bewegen kann. Leider kann man sich nicht immer darauf verlassen, dass solche Dinge schon bei der Abschlussuntersuchung im Krankenhaus auffallen...Im schlimmsten Fall drohen aber leider Verformungen des Köpfchens und ein fieser Helm... Der ist uns zum Glück erspart geblieben und das Problem hat sich dank einer guten Physiotherapie schnell wieder erledigt.
 
Deswegen machte ich mir vor der nächsten U-Untersuchung auch keine großartigen Gedanken. MoJo war 6 Monate alt, aber konnte sich noch nicht selbst drehen. Vermutlich wegen der Vorgeschichte mit seinem Hals. Deshalb gab es wieder eine Überweisung zur Physio. Spaßeshalber habe ich erst einmal eine Woche gewartet, bevor ich einen Termin gemacht habe. Das ,,Problem" hatte sich bis dahin selbst erledigt. Hingegangen sind wir dann trotzdem. Schon bald kugelte sich MoJo quer durch die Wohnung und bei der Physio wurde das Krabbeln geübt. Manchmal verstehe ich diesen Hang zur Eile nicht. Als Embryos entwickeln sich Babys noch streng nach Maß. Doch noch im Mutterleib ändert sich dies. Auch in der selben SSW kommen Babys mit recht unterschiedlichem Geburtsgewicht zur Welt, haben nicht den gleichen Kopfumfang und sind auch nicht alle gleich lang. Das wäre doch auch langweilig, oder? ;)
 
Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus, in dem es wächst und lernt. Die einen entwickeln sich motorisch sehr schnell, die anderen scheinen zu Beginn eher sprachlich vorzulegen. Letzteres war bei MoJo der Fall. Entwicklung nach Kalender halte ich für absoluten Blödsinn. Zahlen können eine grobe Orientierung geben, mehr aber auch nicht. Natürlich gibt es irgendwann eine Grenze, bei der man lieber handeln und ,,nachhelfen" sollte. Aber meist kommt das Thema schon früher auf den Tisch und stresst Eltern im Grunde genommen unnötig. Noch schlimmer finde ich da aber Kommentare von außen. ,,Mein Kind konnte aber in dem Alter schon krabbeln... Sollte er inzwischen nicht schon selbst laufen können?..." Früher habe ich mir so etwas zu Herzen genommen, mittlerweile ignoriere ich es. Ich glaube das schlimmste, was man als Mutter machen kann, ist sein Kind mit anderen Kindern zu vergleichen. Es ist doch schön, dass jeder anders ist und sein eigenes Aussehen und Begabungen hat. Unterschiede, die heute auffallen, können morgen schon wieder aufgeholt sein. Fördern ist natürlich nie verboten, aber nie aus Zwang, sondern lieber aus Freude an der Sache.
 
Mit gemischten Gefühlen war ich also vor kurzem bei der U6. Die Arzthelferin legte Maß an und frage MoJo dabei grinsend: ,,Na kleiner Mann, willst du nicht ein wenig größer sein?" Da rechnete ich mal wieder mit irgendeiner neuen Botschaft, doch die Ärztin meinte dazu nur, dass er das schon aufholen werde ;) Ich atmete durch. Dann kam die Frage: ,,Kann er schon laufen?" Ich wurde wieder zögerlich. Ich hatte keine große Lust darauf wieder zur Physio geschickt zu werden, weil mein Sohn mit einem Jahr noch nicht laufen konnte. Er zieht sich mittlerweile an allen möglichen Gegenständen hoch, läuft seitlich am Sofa hin und her und kann auch schon am Lauflernwagen selbstständig gehen. Ohne Babyrollator geht´s noch nicht. Das fand (zu meiner Überraschung und Erleichterung) die Kinderärztin aber auch nicht weiter schlimm und meine Abneigung gegen U-Untersuchungen war wie verflogen ;D
 
Warum ich davon schreibe? Weil ich euch gerne Mut machen möchte, falls ihr in einer ähnlichen Situation steckt. Macht euch keine Sorgen, wenn eure Kinder nicht immer den passenden Entwicklungsschritt wie im Baby-Newsletter hingelegt haben. Hört nicht hin, wenn andere blöde Kommentare dazu machen. Wenn ihr zurückdenkt, werdet ihr merken wie viel euer Schatz in kürzester Zeit bereits dazu gelernt hat. Das ist eine riesige Leistung auf die man stolz sein kann. Vergleichen lohnt sich nicht. Da geht doch auch der Spaß am dazu lernen verloren ;)
 
 
Welche Erfahrungen habt ihr mit ,,Entwicklung nach Maß" gemacht?
 
 

5 Kommentare |

  1. An der Wand des Raumes, in dem mein Geburtsvorbereitungskurs stattfand, stand ein schönes Zitat dazu: "Das Vergleichen ist der Anfang der Unzufriedenheit und das Ende allen Glücks."
    Gerade wir Mütter neigen ja zum ständigen Vergleichen: Wer hat in welcher SSW wieviel schon oder erst zugenommen, wessen Kind krabbelt/läuft/spricht wann ... alles totaler Schwachsinn, aber man machts ja doch ;)
    Schön, dass du da deine Erfahrung teilst und Mut machst :)

    Liebe Grüße,
    Jessi (Frl. Sonnenschein)

    AntwortenLöschen
  2. Schön geschrieben und so wahr. Ich habe schon die Lust an diesen Newslettern verloren die mir Woche für Woche erzählen was mein Kind eig schon können müsste. Solange die Kids gesund sind ist alles in Ordnung, der Rest kommt schon von alleine.
    Wir waren zu Anfang beim Ostheopathen, weil Mila sich Anfangs Immer nur nach rechts gedreht hat. Das ist mir zum Glück aufgefallen, denn KEIN Arzt hatte das bis Dato festgestellt. Sie hatte auch eine Blockade im Nacken. Bei ihr lag es wohl an der Beckenendlage. DaS ist nun behoben :)

    Alles liebe für euch :*

    AntwortenLöschen
  3. oh das foto sieht so süß aus mit den kleinen zähnchen <3

    AntwortenLöschen
  4. Deinen Text kann ich vollkommen nachvollziehen. Ich finde das ständige Vergleichen und die Ratgeber, die einem die Richtlinien vorgeben, absolut schrecklich. Jedes Kind, jeder Mensch und jedes Wesen nach seiner Art & nach seinem Tempo. Mein Sohn war immer gut dabei und mit allem ziemlich schnell. Mir war und ist das sowas von egal, es sind ständig die Anderen, die dann vergleichen und in den Mittelpunkt schieben. Meine Tochter (4 Wochen) wird gefühlt eine richtige Schnarchnase und die Welt ganz anders entdecken. Manchmal vermisse ich das Vertrauen, der Ärzte, in den eigenen Mutterinstinkt. Neulich wurde ich auch wegen der Gelbsucht meiner Kleinen ins Krankenhaus überwiesen, weil sie optisch aus der Norm viel. Dabei war sie von dem Verhalten absolut normal und meine Hebamme beobachtet sie genau und fragte immer kritisch nach. Das interessierte den Arzt leider herzlich wenig und er schickte mich trotzdem auf den Weg. Es ärgert mich wahnsinnig wenn ich weiß, dass alles in Ordnung ist und ich mir trotzdem den Stress antue. Die Menschen können einen aber auch immer so schnell aus der Bahn werfen und an dem eigenen Verstand/Gefühl zweifeln lassen. Sehr schade.

    Alles Liebe
    Sina

    AntwortenLöschen
  5. Mojo ist wirklich ein sehr süßes Baby. :-)
    Mach dir keine Gedanken, jedes Kind entwicklet sich anders. Der eine schneller, der andere langsamer. Das hat überhaupt nichts zu bedeuten. Bei meinem Patenkind haben sich alle gedanken gemacht wann endlich die Zähne kommen. Es ging erst mit ihrem ersten Geburtstag langsam los. Na und? Dafür konnte sie bereits früh sprechen!
    Jedes Kind hat seine eigene Uhr. Sind ja keine Maschinchen!

    Ich freu mich auf die ersten Bilder von Mojo wenn er läuft! Halt die Kamera drauf Mamarazzi :-)

    Liebe Grüße,
    Jasmin

    AntwortenLöschen

 


Copyright © M.O.M.M. | Theme by Neat Design Corner |