Einsamkeit als moderne Mütterkrankheit?

Donnerstag, 22. Oktober 2015

 
Wenn man bloggt, dann zeichnet man nach außen hin automatisch ein Bild von sich. Das passiert bewusst oder unbewusst. Meistens berichte ich über die positiven Dinge aus meinem Leben als Mama, das ich nun schon über ein Jahr führe. (Seltsamerweise fühlt es sich trotzdem immer noch ziemlich neu an :D) Da ich aber auch viel Wert darauf lege hier authentisch zu sein, möchte ich in diesem Post auch etwas ansprechen, das mich immer mal wieder bedrückt. So wie in den letzten Tagen auch.
 
Es ist schon komisch. Wenn ich mal so recht darüber nachdenke, bin ich seitdem MoJo auf der Welt ist, eigentlich so gut wie nie allein. Den allergrößten Teil des Tages verbringen wir gemeinsam. Wir wachen nebeneinander auf, essen gemeinsam, spielen gemeinsam, spazieren gemeinsam, lachen gemeinsam, ärgern uns gemeinsam und schlafen dann abends auch wieder gemeinsam ein. Das kannte ich vorher nicht. Mit einer Person rund um die Uhr zusammen sein. Wie kann man denn dann noch einsam sein? Irgendwie gelingt es mir doch, mich so zu fühlen. Mal mehr mal weniger.
 
 
 
Eigentlich paradox, oder? Nie allein und doch einsam. Es gibt schließlich nicht einmal mehr Fotos auf denen ich alleine zu sehen bin. Aber ich hoffe ihr könnt ein wenig nachvollziehen, wie ich das meine. Ich liebe meinen Sohn und genieße die Zeit mit ihm sehr. Ich bin die Art von Frau, die in ihrer Mutterrolle aufgeht und die Entscheidung eine Familie zu gründen nicht bereut. Doch manchmal fehlt eben trotzdem etwas... In der Schul- und Studienzeit war ich ständig von Leuten umgeben. Ein Gespräch jagte das Nächste. Unternehmungen brachten die nötige Abwechslung. Beziehungen zu Freunden bestimmten meinen Tagesablauf.
 
Doch während der Elternzeit verbringe ich so viel Zeit wie nie zuvor zuhause. Und auch wenn ich nie alleine bin, sehe ich doch meistens die gleiche kleine liebe Person. Manchmal packt mich da richtig die Sehnsucht nach meinen Freunden. Auch wenn wir uns immer noch schreiben und treffen, dann ist es doch nicht mehr das gleiche wie früher. Bestimmten sie früher meinen Alltag, so sind sie nun eine seltenere Abwechslung von meinem Alltag.
 
Und wenn wir uns dann sehen, dann trennt uns doch etwas, das es früher nicht gab. In meinem Alter leben die meisten noch eine andere Art von Leben. Deshalb teile ich mit meinen Freunden nicht mehr die gleichen Erfahrungen wie früher. Man tauscht sich aus und versucht dem anderen seine Gedanken und Gefühle so gut wie möglich verständlich zu machen. Das klappt mal besser, mal schlechter. So kann man sich auch mal mitten im Gespräch einsam fühlen.
 
Ich denke früher war das ganz anders. Also ganz früher. In Zeiten, wo der größte Teil der Familie rund um das eigene Haus beschäftigt war. Wo viele Generationen unter einem Dach zusammenlebten. Da waren auch frischgebackene Mütter nicht den meisten Teil des Tages alleine mit ihrem Kind. Sie waren meistens Teil einer Gruppe, in der man sich gegenseitig unterstützte. Heute ist das anders. In der Elternzeit wird man aus seinem alten Job herausgerissen und quasi in seine eigenen vier Wände versetzt. Zusammen mit seinem Kind, im Idealfall darauf wartend, dass am Abend der Papa dazu kommt und einem von der Welt da draußen berichtet. :D
 
Auch wenn durch Internet und Social Media heutzutage alles viel vernetzter ist, ist das nicht unbedingt ein Ersatz für ein reales Zusammensein. Aber wenn Du das nächste Mal eine Mutter an ihrem Smartphone siehst, dann verurteile sie nicht sofort, wahrscheinlich ist sie auch ein wenig einsam und sucht sich übers Handy ihren Draht nach außen. Denn egal wie viel Spaß es macht Zeit mit seinem Kind zu verbringen, es kann auf Dauer natürlich nicht die Gespräche mit Erwachsenen ersetzen. Einen Austausch auf Augenhöhe.
 
Was ich dagegen mache? So oft wie möglich doch mal eine Abwechslung zum Alltag suchen. So oft es geht, mit MoJo und meinen Freunden gemeinsam etwas zu unternehmen, wenn es möglich ist auch ohne ihn nur unter Erwachsenen. Denn nur jammern hilft natürlich nicht :D Man kann bis zu einem gewissen Limit etwas gegen die mütterliche Einsamkeit tun, man muss sich nur darum bemühen. Trotzdem hoffe ich, dass mein ungewohnt melancholischer Ton euch nicht auf die Nerven gegangen ist. Aber manchmal muss das eben auch mal sein. Und vielleicht hat sich ja die ein oder andere von euch wieder erkannt in den Gefühlen, die ich hier beschrieben habe :) Wenn ja, dann sei beruhigt: Du bist damit nicht alleine ;)
 
 

11 Kommentare |

  1. Ohja ich kann dich sooo gut verstehen.
    Mir persönlich fehlt allerdings am meisten die Spontanität.

    AntwortenLöschen
  2. Ich kann das Gefühl auch verstehen. Da ich nach drei Monaten wieder arbeiten war - freiberuflich macht man nicht so einfach ein Babyjahr - hatte ich es selbst nur kurz. Aber ich finde es auch überhaupt nicht verwerflich, sich seinen Draht und Abwechslung vom Baby- und Kleinkindalltag zu suchen. Und ganz ehrlich: wie viele Gespräche drehen sich denn auch per Handy nicht immer wieder ums Kind? ;)

    AntwortenLöschen
  3. Du sprichst mir aus der Seele! Und ja - ich habe früher auch Mütter mit Smartphone aus einem skeptischen Blickwinkel gesehen. Diese einsamen Gefuehle kenne ich auch immer wieder zwischendurch und freue mich, Erlebnissen meines Mannes aus der Arbeitswelt zuzuhoeren. Mein groesster Draht zur Aussenwelt ist das Internet :-D Vor allem das Bloggen erfuellt mich wieder, obwohl ich auch glueckliche Mami des inzwischen 19 Monate alten Fruehlingskindes bin. Er war auch absolutes Wunschkind. Und doch kommt ab und zu die Einsamkeit. Danke fuer den schoenen Artikel :-) LG Elena

    AntwortenLöschen
  4. Ich kann Dich total verstehen und habe das auch extrem so empfunden. In meiner ersten Elternzeit vor 4 Jahren hatte ich noch nicht mal ein Smartphone, geschweige denn die Vernetzung durch Blogs, Twitter, Foren etc. Das war Einsamkeit pur, erst recht durch das Schreibaby, mit dem man nirgendwohin gehen konnte. Man war quasi an zuhause gefesselt. Das fand ich furchtbar. Ich glaube auch, dass das früher ganz anders war. Selbst meine Eltern hatten ihre Eltern ganz in der Nähe, sahen sich jeden Tag, die Oma half aus, wo sie konnte, so dass dieses Allein- und Auf-Sich-Gestellt-Sein gar nicht zutage trat. Deswegen konnten mich meine Eltern darin auch nicht verstehen. Es ist echt schade, dass es jetzt meist so ist, dass die Frau aus dem Berufsleben gerissen wird und 100% allein zuhause ist, während für die anderen (die Männer?) das Leben quasi so weiter geht wie vorher. Bei uns nicht, mein Mann hatte 2x länger Elternzeit, aber mit mir zusammen, war also nie mehr als ein paar Stunden allein mit dem Baby. Die bodenlose Einsamkeit, die langen, zähen Stunden zuhause und die täglichen einsamen Kinderwagenspaziergänge hat er somit nur zu einem kleinen Teil erlebt. Das ist ein großer Unterschied. Ich habe auch sehr darunter gelitten. Bei mir kam noch hinzu, dass mich im Gegensatz zu Dir die Mutterrolle überhaupt nicht erfüllt hat. Das macht es nochmal schlimmer.
    Also, Du bist nicht allein!
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  5. ich kann dich total verstehen.. man ist wirklich rund um die uhr mit den mäusen zusammen und dennoch fehlt irgendetwas.. ich werde nicht mal mehr von meinen freunden gefragt ob ich mit denen was unternehmen will.. weil sie einfach keine lust haben, dass ein kind dabei ist.. ich will meine kleine aber nicht ständig abgeben und die gehört halt zu mir

    AntwortenLöschen
  6. Von jetzt an gehen Schritt für Schritt zwei klitze kleine Füßlein mit, das stand damals bei meiner ersten Tochter auf der ersten Glückwunschkarte und genau so ist es. Bei meiner ersten Tochter hatte ich auch oft Sehnsucht nach verschiedenen Dingen und füllte mich nicht ausgefüllt, das kam aber durch die Umstände und meinen zarten 16 Jahren. Jetzt ist es ganz anders und ich bin mir bewusst, so eine innige Zeit wie jetzt in der Elternzeit hast du nie wieder mit deinem Kind. Denn es kommt in die Einrichtung, in den Kindergarten, in die Schule und dann in die Ausbildung oder ins Studium und wenn man mal wieder 24 Stunden zusammen ist, dann begrenzt im Urlaub, am Wochenende oder bei Krankheit.

    AntwortenLöschen
  7. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich habe zwischendurch auch Tiefs an denen ich einfach für ein paar Minuten ohne Kind wäre. Eine Verschnaufpause zum Energie tanken. Meine zwei Mäuse gehören zu mir, mehr als alles andere aber ich freue mich bereits jetzt auf den Sport, den ich bald wieder anfange. Hier kann ich einfach mal die Seele baumeln lassen, aber meine Gedanken hängen dann doch ständig bei den zwei Mäusen und ob es ihnen gut geht :)

    Alles Liebe Sina

    AntwortenLöschen
  8. ich weiß genau was du meinst :)
    Ok bei mir ist es etwas nderes da ich arbeite bzw in der ausbildung bin und auch freunde ich der schule sehe und arbeitskollegen auf der arbeit. da ich wieder bei einen eltern wohne habe ich auch meine mama zum quatschen aber ich fühle mich TROTZ allem manchmal alleine. ich bin echt froh meine gute freundin zu haben, die lustigerweise auch ein kind hat ud so "langweilige" mama dinge wie nähen oder so auch spaß daran hat und einen um so besser versteht..

    ich gebe zu ich blogge auch um nicht ganz so alleine zu sein :D

    AntwortenLöschen
  9. Vielen Dank für diesen ehrlichen und aufrichtigen Post! Mamasein hat so viele schöne Seiten, aber auch schwierige, die nie offen angesprochen werden. Ich glaube, dass sich viele Mütter oft einsam fühlen, sei es, weil ihnen die Decke auf den Kopf fällt, sie keine Zeit mehr für sich haben oder sie einfach keine Unterstützung bekommen und alles alleine meistern müssen. Auch diese Seiten gehören zum Mamialltag und es ist wichitg sie auszusprechen! Danka, dass du das getan hast. Toller Post! Liebste Grüße, Anna

    AntwortenLöschen
  10. Was für ein toller Artikel!
    Ich habe das bei mir auch schon beobachtet.. Ich war vorher zwar nie der Mensch, der ständig was mit seinen Freunden gemacht hat, sondern eher 1-2 mal die Woche, auch durch die doofen Arbeitszeiten. Allerdings ist es jetzt, seit meine Tochter auf der Welt ist, nochmal anders. Der eigene Blickwinkel ändert sich, Prioritäten verschieben sich und mit manchen Freunden fehlt dann plötzlich der anknüpfende Punkt...
    Zum Glück gibt es Selbsthilfegruppen für Mamis :D Pekip, Babyschwimmen... Die sind nicht nur gut für die Babys, sondern auch für die mamis! Ich zumindest bin froh, dass ich ein paar mal die Woche so unter Leute komme, die gerade im gleichen Lebensabschnitt stecken wie ich!
    Und das bloggen ist natürlich auch ein super Ventil :)))
    Sei lieb gegrüßt! Anni von Mamileben.net

    AntwortenLöschen
  11. Bildhübsche Frau , du hast echt einen tollen Blog :-*

    knovikova.blogspot.de

    AntwortenLöschen

 


Copyright © M.O.M.M. | Theme by Neat Design Corner |