Was ich mir anders vorgestellt hatte- Teil 1: Schlaf

Freitag, 16. Oktober 2015


Selbst wenn man sie noch nicht hat, so hat man zumindest immer eine Vorstellung davon, wie es mit eigenen Kindern wäre. Diese Familien-Phantasiewelt gleicht dann entweder einem Thriller, was einen dazu bringt die Gründung einer Familie so weit wie möglich nach hinten zu verschieben. Oder sie ist mehr wie ein bunter Bollywood Film, bei dem man zwar immer auch ein bisschen weint, aber trotzdem viel liebt und lacht und vor allem bei jeder sich bietender Gelegenheit ausgelassen tanzt. Dann steht das Kinderkriegen ganz weit oben auf der persönlichen Wunschliste.

Beim Thema Schlaf hatte ich bevor ich selbst Mutter wurde meistens die selig schlafenden und zuckersüßen Babys aus der Pamperswerbung vor Augen. Weder eine nasse Windel noch sonst irgendetwas konnte sie scheinbar vom Schlafen abbringen. Das gefiel mir natürlich nicht schlecht. Erzählungen von kleinen Wenigschläfern oder Schlafverweigerern wurden in meiner Wahrnehmung unterbewusst ganz weit nach hinten geschoben, in eine dunkle Ecke in der auch selten Staub gewischt wurde.

 
 
 
Kaum waren wir mit MoJo zuhause, zogen diese Erinnerungen jedoch direkt in den hellen Eingangsbereich meines Gehirns. Denn aus theoretischen Erzählungen wurden dann ganz schnell praktische eigene Erfahrungen.  Die ersten zwei Wochen zuhause waren eine Katastrophe. MoJo wurde nachts mindestens alle zwei Stunden wach, manchmal sogar stündlich. Zum Glück hatte mein Mann für diese zwei Wochen Urlaub genommen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie diese Anfangszeit alleine gewesen wäre. ( Respekt an alle Frauen, die das geschafft haben!) In meiner Vorstellung von früher schliefen Babys übrigens immer in ihrem eigenen Bett, vorzugsweise sogar in ihrem eigenen Zimmer. So haben wir es auch zu Beginn durchgezogen (wobei man vielleicht erwähnen sollte, dass wir deshalb in MoJos Zimmer auf der Coach geschlafen haben :D )
 
Tagsüber hatte ich das noch einigermaßen unter Kontrolle. Doch die Nächte waren der Horror. Man glaubt gar nicht, wie so  ein anhaltender Schlafmangel einen fertig machen kann. Eines Nachts stand mein Mann auf als MoJo weinte und ich schlief schon nach ein paar Sekunden wieder ein. Als ich  aufwachte, wunderte ich mich nicht schlecht: Warum fühlte ich mich denn nun auf einmal so erholt? Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich ganze sechs Stunden am Stück geschlafen hatte. Wie war das denn plötzlich möglich? Ich drehte mich um und schon sah ich die Antwort vor mir. MoJo lag bei uns in der Mitte und schlummerte friedlich vor sich hin. Mein Mann hatte ihn aus lauter Verzweiflung nachts zu uns ins Bett genommen. Wir staunten beide nicht schlecht, wie gut das funktioniert hatte. Hätte ich das bewusst mitbekommen, dann hätte ich hundertprozentig Angst gehabt, ihn im Schlaf zu zerquetschen. So hatte ich aber gar nichts davon mitbekommen und die Sorgen in Sachen Co-Sleeping waren nun viel geringer.
 
Weil wir schon fast vergessen hatten, wie schön Schlaf sein kann, behielten wir uns diese neue Methode bei. MoJo schlief bei uns. Mindestens vier Stunden am Stück. Das ließ sich gut aushalten. Und siehe da, als er gerade einmal 2 Monate alt war schlief er durch. Vor 8 Uhr sind MoJo und ich  seitdem morgens nicht mehr aufgestanden. Ganz anders als ich es mir vorher vorgestellt hatte, hat sich so seit diesem Erlebnis bei uns das Familienbett etabliert. Natürlich haben wir mittlerweile auch versucht, MoJo wieder ,,auszuquartieren". Doch dann wird er nachts einfach viel zu oft wach und weint. Unserem Schlaf zuliebe schläft er deshalb immer noch bei uns. Ich weiß, einige von euch mögen das vielleicht als inkonsequent betrachten, aber zumindest im Moment ist es so für uns am angenehmsten. Ich selbst schlafe auch besser, wenn ich weiß, dass mein Sohn in der Nähe ist und ich ihn beim zwischendurch aufwachen sehen und hören kann.
 
Aber kommen wir doch mal zu einem anderen Phänomen, dem Mittagsschlaf. Bevor ich Mutter wurde, dachte ich Babys schlafen tagsüber nur einmal mittags. Ich wunderte mich sehr als MoJo als kleines Baby manchmal 3-4 Mal am Tag ein kleines Nickerchen machte. Meist zwar ausschließlich auf meinem Arm oder draußen im Kinderwagen, aber man muss sich ja schließlich nur zu helfen wissen ;) Einmal am Tag schlief er also draußen während ich eine große Runde mit ihm drehte. Das tägliche Spazierengehen tut uns beiden sehr gut. Die anderen Male schlief er bei mir und ich nutzte die Zeit, um abzuschalten während ich mir meine Lieblingsserie anschaute. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, dass das früher sogar ohne Kopfhörer ging. Mittlerweile schläft MoJo nur noch einmal am Tag bei uns im Bett für ca. 2 Stunden (nicht mehr im Kinderwagen). Dabei muss es aber absolut ruhig sein. Zum Thema Geräusche ein weiterer Vergleich:
 
Was ich früher dachte, wovon Babys wach werden: 
  • zuknallende Türen
  • Baustellenlärm
  • Klospülungen
  • die Türklingel
  • ein Anruf
  • ein landendes Flugzeug
Wovon MoJo mittags wach wird:

  • das leise Vibrieren meines Handys
  • durch das alleinige Erahnen, dass ich mich gerade zum Essen hinsetze
  • das Rascheln der Seiten meines Lieblingsbuches
  • wenn ich aus dem Zimmer schleiche, um zur Toilette zu gehen

Es ist also im Leben mit Kind längst nicht alles so, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Auch nicht beim Thema Schlaf. Aber das macht nichts. Es wäre ja auch langweilig, wenn alles so vorhersehbar wäre. Das Elternsein ist für meinen Mann und mich das größte Abenteuer, das wir je erlebt haben. Und richtige Abenteuer stecken nun einmal voller Überraschungen!


 
Wie ist das bei euch? Was läuft beim Thema Schlaf ganz anders als ihr es euch vorgestellt hattet?

4 Kommentare |

  1. Schön hast du das beschrieben :)
    Wir haben auch bis vor wenigen Wochen das Familienbett zumindest für die zweite Hälfte der Nacht etabliert gehabt, seitdem schläft der Krümel meist (es sei denn Zahnschmerzen oder irgendwas anderes plagen sie) im eignen Bett am anderen Ende unseres offenen Wohn-/Schlaf-/Kinderzimmerbereiches.

    Ich hatte vor allem angenommen, dass die Phase, in der so ein Neugeborenes eigentlich nur schläft oder trinkt, viel länger dauert, Bei uns war das nach vier Tagen nämlich schon vorbei :D

    LG,
    Jessi (Frl. Sonnenschein)

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  2. Sehr schön geschrieben.. ich fand die ersten wochen auch mega anstrengend.. ich musste da leider allein durch da mein freund so ein festen schlaf hat, dass er die kleine nichmal gehört hat.. bei uns war er andersherum.. wir hatten unsere Tochter die ersten 2 - 3 nächte in ihrem eigenen bett.. aber da hat sie viel geweint.. dann haben wir sie über Nacht zu uns ins bett geholt.. sie schlief etwas besser.. aber ich schlief schlechter.. ich wurde von jedem Geräusch was sie gemacht hat wach ubd aus angst sie zu zerquetschen habe ich auf der kante geschlafen.. jetzt kaum vorzustellen dass ich so gelegen habe..als sie 3 monate war habe ich sie einfach nal in ihr bett gepackt.. sie hat sehr geweint.. aber wollte es einfach versuchen.. sie ist nach einer zeit eingeschlafen und hat dann das erste mal durchgeschlafen.. ich war so glücklich.. seitdem schläft sie nur noch in ihrem Zimmer auch zum mittagsschlaf.. nur morgens wenn sie aufwacht nehm ich sie zu mir ins bett um noch zu kuscheln.. aber einschlafen tut sie da nicht mehr..

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  3. Toller Beitrag! Besonders lachen musste ich bei deiner Beschreibung von Dingen, von denen MoJo wach wird. Meine Kleine wacht tagsüber auch beim kleinsten Geräusch auf. Letztens saß eine Freundin mit gleichaltrigem Baby neben mir, das selig auf ihrem Schoß geschlummert hat, während um uns herum sogar laut gelacht und geredet wurde. Meine Kleine hingegen - ebenfalls auf meinem Schoß und hundemüde - fand natürlich überhaupt nicht in den Schlaf ;)

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  4. Lustig :-) Bei uns ist es ja genauso mit dem CoSleeping. Ausquartieren geht nicht :-D Sonst gibt es nur Geschrei und alle paar Minuten wach werden. Wir finden es so aber auch sehr kuschelig und gemütlich :-)

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