Mythos oder Realität? – Kinder machen erwachsen

Donnerstag, 10. März 2016

Jetzt ist es also offiziell. Ich bin 25! Noch ein halbes Kind? Oder werde ich langsam aber sicher alt? 25 ist schließlich 1/4 Jahrhundert und das klingt doch gleich viel länger. Die letzte Mathestunde ist zwar auch schon eine gefühlte Ewigkeit her, aber naja... Dass man ab 25 aufrundet weiß ich leider noch ganz genau. Also bin ich seit vorgestern mathematisch betrachtet jetzt ja quasi schon 30 :O!  Irgendwie. Ach Mensch, ziemlich verwirrend die Sache mit dem Alter. Und dann gibt's ja noch die tolle Weisheit, man wäre ja nur so alt, wie man sich fühle...

Doppeltes Geburtstagsglück

Aber Spaß bei Seite. Rollator und Oma-Unterwäsche sind noch weit entfernt. Anti-Falten-Creme kann man ja vorsichtshalber doch schon mal mit anfangen. Zum Glück hat die mir diese Woche aber noch keiner geschenkt. Am 08. März Geburtstag zu haben ist schon eine ziemlich coole Angelegenheit, vor allem wenn man Migrationshintergrund hat. Denn in meinem Geburtsland wird am 08.03. zum internationalen Tag der Frau nicht nur ein bisschen Zeug zu Frauenthemen gepostet. Dort kriegen die Frauen an diesem Tag auch Blumen. Wenn schon, denn schon. Ähnlich wie hier am Valentinstag. Wenn's gut läuft kriegt man die dann auch vom Mann, Vater, Bruder, Cousin und Co. Sind große Familien nicht etwas Tolles? Und wenn man dann noch am selben Tag Geburtstag hat, stehen die Chancen auf ein Blumenmeer echt nicht schlecht. Von meinem Vater habe ich dieses Jahr tatsächlich gleich zwei Blumensträuße bekommen. Außerdem von allen Seiten zig Doppel-Glückwünsche. Dieses Jahr war es ein wirklich schöner, entspannter und dank lieben Menschen auch sehr fröhlicher Geburtstag für mich. So macht älter werden doch gleich viel mehr Spaß ;) 

Vermeintlich erwachsen

Ich weiß noch genau, wie erwachsen ich mich gefühlt habe, als ich endlich 18 wurde. Ok. Ehrlich gesagt, dachte ich noch früher, ich hätte die Weisheit mit XXL-Löffeln gefressen. Heute muss ich darüber schmunzeln. Mein herzliches Beileid nachträglich an meine Eltern! :D Denn im Nachhinein betrachtet war das damals noch nicht wirklich der Fall. Verständlich. Erwachsen wird man ja nicht von heute auf morgen. Dieser spannende, manchmal schwierige Prozess beschäftigt einen länger. Und auch jetzt mit 25 Jahren bin ich mir noch nicht zu 100 % sicher, ob er bereits abgeschlossen ist. Von außen betrachtet führe ich ganz bestimmt für mein Alter ein sehr erwachsenes Leben. Hinter Studium, Hochzeit, Kind und Job habe ich fleißig meine Häkchen gesetzt. In einem Alter, in dem andere das noch als Zukunftsmusik betrachten. Ich bin scheinbar früher erwachsen geworden als andere. Aber nicht weil ich es musste, sondern weil ich es so wollte. Denn ich bin glücklich mit meinem (Erwachsenen-) Leben. Herausforderungen gibt es immer, aber zum Glück habe ich nie das Gefühl etwas zu verpassen. Eher im Gegenteil.

Step by step

Trotzdem denke ich, dass ich mich nicht so früh dazu entschieden hätte Mutter zu werden, wenn ich mich dafür nicht "reif" genug gefühlt hätte. Erwachsenwerden begann für mich so richtig als ich meinen Führerschein in der Tasche hatte. Ja, ich war schon immer einigermaßen verantwortungsvoll und vernünftig. Doch ich finde erwachsen werden kann man erst richtig, wenn man immer unabhängiger von der Familie lernt zurecht zu kommen. Mit Auto war ich plötzlich erstaunlich mobil, mein Radius konnte mir gar nicht weit genug sein. Immer auf Achse war mein Motto während der Abi-Zeit. Und während man eigentlich "nur" Spaß hat, lernt man in den verschiedensten Situationen eigenständig und gut zu reagieren.
Dann kam das Jobben für mich als zweite wichtige Stufe des Erwachsenwerdens. Für meinen Uni-Start wollte ich so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich verdienen. Dafür musste ich morgens teilweise um 4:30 Uhr aufstehen und auch körperlich hart arbeiten. Wo wir wieder beim Blumen-Thema wären. Denn die kommen auch irgendwo her und müssen dort geschleppt und verpackt werden. Ich hätte auch den einfacheren Weg der Eltern-Bank gehen können. Wollte ich aber nicht. Dafür habe ich in dieser Zeit gelernt, dass man im Erwachsenenleben nicht immer nur das machen kann, was einem Spaß macht. Das Geld sauer verdient werden muss, auf jeden Fall geht's nie ohne Fleiß.
Und auch wenn es für mich schwer war, weil ich meine Familie so sehr liebe. Ein paar Jahre rund 500 km weit entfernt zu wohnen war zumindest für's Erwachsenwerden die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Mal eben vorbei kommen, um die kleine Tochter im Alltag zu unterstützen, ging da eben nicht. Gut so. Ich lernte im WG-Leben wie es ist, selbst den Haushalt zu schmeißen und gleichzeitig für's Studium zu lernen. Wie es ist mal tatsächlich ganz auf sich allein gestellt zu sein, in einer völlig neuen Umgebung.
Dann kam der Mann in mein Leben, der inzwischen auch der Vater unseres gemeinsamen Kindes ist. 5 Jahre erwachsener älter war/ ist er. Sehr schnell waren wir uns sicher mit einander. Die Ehe bzw. das zusammen wohnen macht auch ein ganzes Stück erwachsener. Auf einander eingehen, Kompromisse schließen, zu zweit verantwortungsvolle Entscheidungen treffen. Eine unserer besten war ca. 3 Jahre später unsere eigene, kleine Familie zu gründen.

Und jetzt als Mama?

Oft kriege ich mit, dass sich Frauen unabhängig von ihrem Alter ein Kind wünschen, aber dennoch die Sorge in sich tragen, sie wären eventuell nicht erwachsen genug um diese Aufgabe zu wuppen. Selbstverständlich ist es nur ein Vorteil, wenn man eine gewisse Reife erreicht hat, bevor man Mutter wird. Doch ich finde, wenn wirklich die Sehnsucht bei beiden Partnern da ist, sollte man sich mit solchen Grübeleien nicht unnötig Steine in den Weg legen. Denn schließlich wächst man immer auch an seinen Aufgaben. Ich kann mit voller Gewissheit sagen, dass ich ohne MoJo in meinem Leben mit 25 nie bereits so erwachsen geworden wäre, wie ich es heute bin. Klar, man bringt seinen Kindern ständig etwas Neues bei, doch auch ich habe durch das Leben mit meinem Sohn so unendlich viel Neues dazu lernen dürfen. Oberflächlich betrachtet sind das ganz alltägliche Aufgaben, die ich meistere, damit das Familienleben auch ganz praktisch und möglichst reibungslos funktioniert.
Mal hinter die Fassade geblickt, habe ich noch viel mehr gelernt als Verantwortung für einen kleinen Menschen zu tragen. Mehr über mich selbst. In einer Zeit, in der ich mich eigentlich verstärkt aufopfere, durfte ich lernen wie wichtig es ist, seine eigenen Belastungsgrenzen zu kennen und auch nach außen hin zu schützen. Ruhe und Geduld zu bewahren in schwierigen Situationen. Zu sehen, was und wer im eigenen Leben wirklich zählt. Welche Umstände oder Personen einem hingegen gar nicht gut tun. Achtsam zu sein bei seinem eigenen Verhalten. Schließlich gibt es nun jemanden, der mich dringend braucht und sich selbst bei den vermeintlich kleinsten Dingen ein Vorbild an mir nimmt. Und ich habe gelernt trotz all der Verantwortung gnädiger mit mir selbst zu sein, wenn es mal nicht so perfekt läuft, wie ich es mir vielleicht gewünscht habe. Diese Dinge und noch sehr viel mehr hätte ich ohne meinen Sohn vermutlich erst viel später gelernt, vielleicht sogar nie. Wichtige Dinge, die mich zu einem erwachsenerem, reiferen Menschen gemacht haben.

Das nötige Gleichgewicht

Andererseits lache ich immer noch über die selben albernen Witze. Will immer noch so viel erleben wie früher (außerhalb von Herd und Kinderzimmer versteht sich). Nehme mich selbst nicht immer für allzu voll. Habe immer noch die selben Interessen und diese nicht einfach durch "geeignetere" Mama-Hobbies ausgetauscht. Lasse bei all dem Ernst des Erwachsenenlebens den Spaß einfach nicht zu kurz kommen. Ich würde sagen, ich bin eine erwachsene, aber dennoch ziemlich jung gebliebene Mutter. Denn erwachsen heißt ja zum Glück nicht gleich langweilig, stocksteif und stets grübelnd und ernst ;) Von daher bin ich meinem kleinen MoJo sehr, sehr dankbar. Nicht zuletzt weil er mich zur Mama gemacht hat, bin ich die 25-Jährige, die ich nun eben bin. Mal sehr erwachsen und überlegt, aber auch sehr oft "kindisch" ausgelassen. Aber auf jeden Fall reicher an wertvollen Erfahrungen, die ich sonst (noch) nicht hätte machen können.
Findet ihr auch, dass euch das Mutter-Sein erwachsener gemacht hat? Woran merkt ihr das?

10 Kommentare |

  1. Alles Gute nachträglich zum Geburtstag!
    Ich finde als Mama ist man nicht unbedingt "Erwachsener" als andere, sondern man sieht die Dinge einfach aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wird aufgeschlossener, emphatischer und dankbarer.
    Ich finde, das klingt alles ziemlich positiv, also genießen wir unsere Tage als "jung" Mamis mit dem gewissen Weitblick. :-)

    Liebste Grüße,
    Jasmin

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    1. Danke dir! Du hast Recht, das klingt und ist alles wirklich ziemlich positiv und genießenswert :)

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  2. Alles Gute nachträglich zum Geburtstag, Du junges Hühnchen (rein altersmäßig natürlich :-)) und viel Freude weiter mit Deiner Familie!
    Liebe Grüße!

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    1. Bok Bok Bok Bok Booook :D Danke für deine lieben Glückwünsche :)

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  3. Alles Gute!! Es stimmt schon das einem ein Kind reifen lässt, ich habe unseren Großen mit 20 bekommen und wenn ich mir heute so 20 - 25 jährige ansehe die kein Kind haben dann war ich doch um einiges reifer, meine Gedanken und die Dinge die ich getan habe waren überlegter und nicht so Hals über Kopf, hoffe Du verstehst was ich meine?! LG

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    1. Danke dir! Ja ich kann gut nachvollziehen, was du meinst :) Beobachte Ähnliches in meinem Umfeld

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  4. Happy Birthday nachträglich! Ich hab mir eben noch gedacht, dass du irgendwann im März Geburtstag hast (und ich das genaue Datum natürlich nicht mehr wusste!).
    Ich selbst bin durch das Mama-Sein schon irgendwie "erwachsener" geworden- ich denke, das liegt aber primär daran, dass sich fast alles ums Kind dreht und eben die damit verbunde Verwantwortung. Es geht halt einfach nicht mehr, wie früher die ganze Nacht durchzufeiern, wenn man um 6 fit sein muss für den Tag o.ä.
    GLG

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    1. Danke dir, liebe Manati =) Beneidenswert, dass du überhaupt noch den März im Hinterkopf hattest! Ich habe generell riesen Probleme, mir Daten zu merken :D

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  5. Nachträglich,alles Gute.Ich glaub erwachsen wird man allein durch die Anzahl Geburtstagskerzen auf dem Kuchen ;-),und klar muss man oft die Vernüftige sein,aber solang ich noch mit den Kindern aufs Trampolin oder mit ihnen schaukeln darf,fühle ich mein inneres Kind ganz stark.Und ich glaub das ist die richtige Mischung:erwachsen in der Mamarolle,Kindsein im Herzen,und der riesen Vorteil (den Spruch hab ich mal irgendwo gelesen):ich muss nicht mehr lieb sein,ich kann mir meine Schokolade selber kaufen.😊Erwachsen ist gar nicht soo schlimm,die Alterserscheinung find ich viel dramatischer:mit 17 feiern bis morgens um drei,und und zum Frühdienst...kein Problem,da lag ne Dusche und ein Pott Kaffee zwischen.Heute würde ich spätestens um ein Uhr nachts einpennen,und morgens nen Liter Kaffee brauchen😄😄😄Man wird nicht jünger😉lg

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    1. Ach ja, so ändern sich die Zeiten :D Aber du sagst es: Die Mischung macht`s und egal in welchem Alter man ist, so lange einem nicht der Spaß abhanden kommt, ist doch alles bestens :)

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