Vom Vermissen

Freitag, 15. April 2016

Gerade ist MoJo in unserem Bett eingeschlafen. Seinen kleinen Arm hat er um meinen Hals gelegt. Wir liegen sogar Wange an Wange. Eigentlich wollte ich doch noch aufstehen. Schnell die Spülmaschine einräumen und ein paar Mails beantworten. Aber ich bleibe liegen. Der Moment ist einfach zu schade, um ihn jetzt schon wieder kaputt zu machen. Ich beschließe zu warten, bis mein Sohn sich von selbst wieder wegdreht. Doch stattdessen schmiegt er sich bei der kleinsten Bewegung noch fester an mich an. Auch ich schlafe ein. Mit einem ganz seligen, kuscheligen Gefühl des Geliebt-Seins...  Am Morgen danach stand ich übrigens auf und sah aus wie Kung Fu Panda. Denn Abschminken stand abends ja auch noch auf meiner To-Do Liste. Aber naja, dafür sitze ich nun schon früh am Morgen schick angezogen am PC. Wenn auch in den Klamotten von gestern.
 

Solo-Roadtrip

 
Wie es überhaupt zu dieser Extra-Portion Liebe von meinem Sohn für mich kam? Denn zumindest so extrem verschmust ist er sonst eigentlich nicht. Er hatte mich schlichtweg vermisst. In der Regel läuft es immer so ab, dass er mittags/abends neben mir im Bett einschläft und ich in dann ganz vorsichtig in sein eigenes Bettchen lege. Warum ich das an diesem Abend nicht über's Herz gebracht habe? Auch ich habe ihn vermisst. Sehr sogar. Eigentlich waren mein Mann und ich nur fünf Stunden unterwegs gewesen. MoJo hat solange Oma und Opa fleißig bei Laune gehalten. Ich habe besonders die Hinfahrt echt genossen. Über die Autobahn fahren ohne sich darum Gedanken zu machen, wie man den kleinen Mann am besten unterhalten kann. Und ohne panisch nachzuschauen, ob man nicht die ganzen Snacks vergessen hat, die für längere Autofahrten bei uns das A und O sind. Doch schon spätestens bei der Rückfahrt konnte ich es kaum erwarten, MoJo endlich wieder bei mir zu haben.

 

Schneller als gedacht

 
Kennt ihr das? Man freut sich echt sehr darüber, dass man mal wieder ein wenig Zeit ohne Kind hat und dann vermisst man den kleinen Schatz bereits nach wenigen Stunden. Oder vielleicht sogar Minuten? Ich würde fast behaupten, dass das eine unter Mamas ganz weit verbreitete Nebenwirkung der Mutterliebe ist. Man kann eine Auszeit echt gut gebrauchen, doch irgendwann schaltet das Herz ganz schnell wieder auf den Vermissen-Modus. Selbst wenn man, bevor man aufgebrochen ist, eventuell total genervt war von dem ganzen Familientrubel. Von vollen Windeln, dem Kleinschnippeln des halben Kühlschrank-Inhaltes, herumliegenden Spielsachen, Kinder-Gemeckere und Co. Hat man erstmal eine Weile einen kleinen Tapetenwechsel genossen und etwas Abstand zum sonstigen Alltag gefunden, wird man fast schon minütlich entspannter und gelassener. Und kann sich bald wieder darauf freuen, wieder nach Hause zum Kind zu kommen.

 

Vermissen kann echt schön sein

 
Daher empfehle ich mir und euch, dieses Vermissen bei Gelegenheit echt regelmäßig einzuführen. Nicht Vermissen mit dicken Krokodilstränen. Aber dieses Vermissen, wenn du und dein Kind eine Weile lang echt Spaß und eine schöne Zeit habt. Nur zur Abwechslung mal getrennt von einander. Was einen sonst so schnell stresst und kostbare Energie raubt, sieht mit ein wenig Abstand gleich viel weniger schlimm aus. Man merkt, dass es ohne einander echt schön ist. Nur mit einander sogar noch schöner. Außerdem ist der Moment, wenn das Vermissen dann zu Ende ist, doch wirklich unbezahlbar. Wie dein Kind strahlt und auf dich zuläuft, weil es dich gerne ausgiebig begrüßen will. Oder es dich, wie MoJo mich gestern, als eine Art lebendiges Seitenschläferkissen benutzt um zu genießen, dass Mama nun wieder ganz nah bei einem ist. Da hat sich die Vermisserei doch wirklich gelohnt!
 
 
Wie oft schafft ihr es eigentlich mal ohne Kind unterwegs zu sein? Und geht das dann bei euch mit dem Vermissen ähnlich schnell?
 
 
 
 

6 Kommentare |

  1. Das klingt herrlich. Wir waren noch nie wirklich lange von unseren Kindern getrennt ^^

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    1. Zusammen ist es ja auch schön ;) Und früher oder später wird sich garantiert noch die Gelegenheit zum Vermissen bieten =)

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  2. Du hast so recht, das Vermissen kann etwas ganz wunderbares sein. Ich kann davon ein Lied singen, lebte ich doch die ersten sechs Beziehungsjahre auf Distanz ;)
    Aber auch mit Kind empfinde ich es so. Wir haben unsere Tochter ja schon sehr früh mal über Nacht abgegeben (beim ersten Mal war sie sieben Wochen alt) und waren vor fast genau einem Jahr auch drei Tage lang ohne sie weg. Alle zwei Monate ist sie über Nacht bei einem der Großeltern. Das Vermissen ist da etwas bittersüßes, aber die Vorfreude auf das Wiedersehen macht es erträglich und schön.
    Mal schauen wie es wird, wenn ich demnächst ein Mama-Wochenende ganz allein habe ... ;)

    Liebste Grüße,
    Jessi

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    1. Ja, mit bittersüß beschreibst du es wirklich sehr passend =) Aber Mama-Wochenende ganz allein klingt echt vielversprechend =)

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  3. Du schreibst mir aus der Seele! Ich war neulich mit Arbeitskollegen beim Abendessen und ich habe meinen Sohn auch unendlich vermisst. Demnächst stehen einige Geburtstage an und wir haben geplant Oliver zum ersten Mal über Nacht zu seiner Oma zu bringen. Wobei ich mir nicht sicher bin ob ich schon bereit dazu bin.
    Vielleicht kannst du mal davon berichten wie das bei euch abläuft?

    Liebste Grüße,
    Jasmin

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    1. Schön, dass ich nicht die einzige bin die mit dem Vermissen so schnell ist ;D Bisher war ich nur einmal über Nacht von MoJo getrennt. Ich glaube damals war er circa 8 Monate alt. Da ging es zwar nicht um einen Geburtstag, aber um einen Junggesellinenabschied bei dem ich sehr gerne dabei sein wollte. Ich war mir auch so unsicher und hab mir schon Wochen vorher Gedanken gemacht. Zum Glück wurde mir immer wieder per Whats App bestätigt, dass der Kleine gute Laune hatte und auch friedlich eingeschlafen ist. Da wurde ich immer ruhiger :) Ich glaube, wenn man es einmal ausprobiert hat und es ist gut gelaufen, wird's beim nächsten Mal viel einfacher =)

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