Wie weit ist zuhause?

Montag, 6. Juni 2016

Vor ein paar Wochen stand die Hochzeit meiner Cousine an. In unserer Kindheit waren wir einfach unzertrennlich. Zum Glück. Sonst hätte ich mir die Zusage bei einer Anreise von NRW nach Bayern wohl mehrfach überlegt. Denn lange Autofahrten mit Kleinkind sind eigentlich nichts anderes als moderne Folter-Maßnahmen. Durfte ich jetzt auch endlich mal am eigenen Leib erleben.

Damit sich die menschenunwürdige Anreise wenigstens lohnen würde, beschlossen wir aus dem Hochzeitsbesuch einen kleinen Mini-Urlaub zu machen. Schnell fanden wir einen süßen Bauernhof mit sehr modernen Ferienwohnungen im Allgäu (ein Kompromiss mit dem selbst ich leben konnte). Wir verbrachten also insgesamt vier Nächte außer Haus und legten in diesen Tagen rund 1700 km mit dem Auto zurück. Nettes Blitzer-Erinnerungsfoto inklusive, versteht sich.



Im Prinzip war ich schon immer ein recht unkomplizierter Reisetyp. Ich liebte mein Zuhause bei meinen Eltern über alles. Aber unterwegs fühlte ich mich auch ganz leicht überall dort zuhause, wo mein Koffer sich befand und im besten Fall meine Freunde gleich dabei waren. Dieses Mal war es jedoch für uns erst die zweite längere Urlaubsreise als Familie. Und zum Glück stellte sich das gewohnte Zuhause 2.0 - Gefühl auch hier wieder ein. Wir waren zwar nicht zuhause. Fühlten uns in der Ferienwohnung, aber tatsächlich alle wie zuhause.

Auch wenn ich mein Zuhause mit einer konkreten Adresse benennen kann, ist ein Zuhause-Gefühl wohl doch eher flexibel. Aber warum setzt es manchmal ein, bleibt aber an anderen Orten wiederum aus? Nach unserer Zeit in Bayern wurde mir nur nochmal aufs Neue bewusst, dass mein Zuhause mittlerweile einfach immer dort ist, wo meine Familie ist. Zuhause ist keine Stadt, keine bestimmte Wohnung. Zuhause ist dort, wo Dein Herz angekommen ist. Und das ist bei mir nunmal überall da, wo mein Mann und mein Sohn gerade bei mir sind.

Überdeutlich wurde mir das noch einmal in der Nacht von Sonntag auf Montag. Auch die Rückreise mussten wir unbedingt aufteilen. 8 Stunden Autofahrt hätten wir zu dritt nämlich niemals gepackt. Wir fuhren bis uns fast die Augen zufielen und checkten schließlich um 2 Uhr nachts in einem billigen Hotel mit Automaten-Check-In ein. Vermutlich gibt es ähnlich luxuriöse und liebevoll eingerichtete Gefängniszellen. Dennoch hatte ich morgens beim Aufwachen wieder dieses angenehme Zuhause-Gefühl. Weil wenn ich nach links schaute, dort MoJo mitsamt seinem Papa friedlich schlummerten.

Das Schöne ist für mich: Egal in wie vielen Hotels oder Ferienwohnungen ich bereits übernachtet habe. Und egal wie oft ich als Erwachsene schon selbst umgezogen bin. Das Haus meiner Eltern blieb für mich immer ein liebevolles Zuhause, zu dem ich immer mehr als gerne zurückkehre. Und das Gleiche wünsche ich mir innigst für MoJo. Ich wünsche ihm, dass ihn das Fernweh in die Welt hinaustreibt und ihn dort das Zuhause-Gefühl immer begleitet. Gleichzeitig hoffe ich, dass er auch bei uns zuhause feste Wurzeln schlägt. Sich bei seinen Eltern immer wohl und gut aufgehoben fühlt. Egal wie alt er sein wird, egal wo das Leben ihn hinführen wird.

1 Kommentar |

  1. Das hast du schön geschrieben. Und wie sagt man immer so schön Zuhause ist, wo das Herz ist. Und wo du nicht den Bauch einziehen musst ;)

    Liebste Grüße,
    Jessi

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